Mehr ist mehr

Als ich anfing mich für Mode zu interessieren, konnte man noch mit einer schönen Tasche, auffälligem Schmuck oder einfach gut sitzender Kleidung punkten. Heutzutage braucht es schon mehr. Ich bin ein großer Streetstyle-Fan und durchforste seit meiner Jugend regelmäßig Pinterest und Co nach tollen Kombinationen, besonderen Details oder neuen Trendfarben. Was in letzter Zeit auffällt: Mehr ist mehr – was nicht unbedingt schlimm sein muss, auch bei meinen Stylings könnte man das oft denken. Doch ich meine keinen übermäßigen Schmuck, keine gewagten Farben oder Mustermix. Ich rede von ALLEM. Und zwar auf einmal. Alles, was derzeit IN ist, wird getragen. Zusammen. It-Bag zu auffälligen, brand-bestickten Teilen, großen Schmuck, Taillengürteln und Dad-Sneakern.

Doch wer soll das tragen?

Doch nicht das modebewusste Mädchen von nebenan.

Nach meiner Bildrecherche stelle ich mir die Frage: Ist normal weg vom Fenster? Muss es immer noch knalliger, noch außergewöhnlicher sein?

Willst du gelten, mach dich selten?

Selten-überladen?

Was ich mir wünsche: Tragbare Styles. Gut sitzende, qualitativ hochwertige Mode. Der gewisse Dreh soll nicht fehlen und von auffälligen Accessoires will und kann ich mich nicht verabschieden. Das meine ich auch gar nicht.

Ich frage mich nur, ob uns der gute Geschmack abhanden gekommen ist. Wir sind immer auf der Suche nach dem Besonderen, jeder will aus der Masse herausstechen. Und das ist durch Instagram und Co gar nicht so einfach.

Individuell, individueller, am individuellsten. Das gesunde Maß liegt irgendwo dazwischen. Doch wer spricht schon von der Mitte? Niemand mehr!

Und so schwappt dieser Anti-Normal-Trend schnell auch in andere Bereiche über. Zum Beispiel in Sachen Figur: Die großen Blogger sind nicht mehr die Mädchen von nebenan, die ihre Outfits unbedarft ins Internet stellen. Die Blogger von heute könnten direkt für die Modenschauen, bei denen sie in der Front Row sitzen, als Model arbeiten. Groß, dünn, schön. Oder man dreht den Spieß um und schlägt sein Lager in der Plus-Size-Schiene auf. Entweder oder. Nur noch so scheint es zu laufen. Oder könnt ihr mir auf Anhieb einen Influencer mit „Normalo“-Maßen 36-40 nennen?

Nein? Tja. Normalität ist eben scheinbar out. Somit wahrscheinlich auch dieses Outfit. Blue Jeans zu weißer Bluse. Dass die Tasche und mein neuer Schmuck das Ganze etwas auffrischen, geht wohl in heutigen Zeiten unter. Zu „normal“ ist der Look.

Doch so möchte ich (manchmal) sein. Und solche Styles wünsche ich mir mehr. Tragbar. Vielleicht auch normal, nichts weltbewegendes. Aber schön. Stimmig. Geschmackvoll. Tragbar für dich und mich.

Ich möchte die ausgefallenen Kombis natürlich nicht missen – versteht mich nicht falsch. Auch ich steche gern mal heraus und schaue mir die kreativen Ausbrüche der Designer und Fashionistas an. Doch nicht alles ist für den Alltag übernehmbar. Ich wünsche mir, dass wieder beides geht – dass wieder beides gezeigt und geliebt wird.

Denn mal ehrlich: Manchmal ist doch ein schwarzer Kaffee, ohne alles auch besser, als der Toffee Nut Latte von Starbucks, oder?

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Hose und Jacke – Levi’s

Oberteil – H&M

Schuhe – Puma

Leise

In letzter Zeit war ich sehr still – nicht nur auf dem Blog, sondern auch im Alltag. Zumindest kam es mir so vor. Ich neige dazu, mit meinem Umfeld über Sorgen und Ängste reden zu müssen. Ich versuche mich dabei an meine Familie und nahe Freunde zu halten, doch manchmal müssen auch vor anderen die Gedanken raus. Andere gehen in die Beichte, ich verplapper mich auf der Arbeit, in der Kaffeepause, in der Uni.

Das ist eine Angewohnheit, die nicht immer gut, doch reinigend ist. Vielleicht überfordere ich damit meine Mitmenschen, doch was bei anderen Antidepressiva sind, ist für mich mein Mitteilungsbedürfnis.

Ich mag andere damit verblüffen, aber oft öffnen sich meine Gesprächspartner dann selbst und man sieht: Die Welt ist nicht nur dunkel. Nicht nur man selbst hat Gewicht auf seinen Schultern lasten. Sondern auch die Anderen. Und das ist ok. Sehr ok sogar.

Ich weiß nicht wann oder ob ich überhaupt leiser geworden bin. Mir kommt es jedenfalls so vor. Vielleicht, weil meine Gedanken sich immer wieder in Kreisen drehen. Ich zermartere mir über die immer gleichen Dinge den Kopf. Vielleicht will ich die anderen damit nicht langweilen.

Oder ich schäme mich, weil ich meine Probleme nicht lösen kann.

Dabei ist es doch ok, wenn mal etwas nicht klappt.

Sehr ok sogar.

Im Inneren weiß ich das, aber so richtig verankern will sich diese Weisheit noch nicht.

Auf die Gefahr hin, dass andere mich für selbstüberzeugt oder gar arrogant halten mögen: In meinen Augen war ich immer die, bei der (scheinbar) alles klappt. Ich weiß um meine Baustellen und um mein Inneres. Doch nach außen hin funktionierte immer alles. Job, Uni, gute Noten, Hobbys, Sport. Ich bin die, die alles im Griff hat.

Und auf einmal war ich das nicht mehr.

In meinem Kopf. 

Ich komme mit manchen Dingen nicht zurecht, einige andere Sachen bleiben auf der Strecke. Kurz: Zurzeit fühle ich mich ausgelaugt. Ausgebrannt. Leise. Und eigentlich müsste ich wissen, dass das ok ist. Sehr ok sogar. „Ich bin ja keine Maschine“, um Tim Bendzko zu zitieren. Das kommt da oben schon an, in meiner Mitte aber nicht.

„Das Herz lässt sich nicht so leicht beeinflussen, der Kopf dagegen ist leicht zu überzeugen“, um auch „Frozen“ ins Spiel zu bringen.

Um mir selbst zu zeigen, dass man nicht immer auf der Überholspur sein muss, sondern auch mal am Seitenstreifen halten kann, schreibe ich euch diese Zeilen.

Und möchte wissen: Wie geht es euch? Ist bei euch immer blauer Himmel, oder zieht auch mal Nebel auf?

Lasst es mich wissen. Denn still sein ist doch nicht so unser Ding. Und funktionieren wie eine Maschine doch auch nicht, oder?


Zu diesen Alltags-Gedanken, hier ein Alltags-Outfit, dass ich in der letzten Zeit sehr gern getragen habe. Ein wenig sieht man meinem Blick und auch meinem Stil die derzeitige Gefühlswelt an, oder? Was meint ihr? Oft sind ja nicht nur unsere Augen, sondern auch unsere Kleidung Fenster der Seele.

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Shirt – H&M

Blazer – Mango

Jeans – Edited

Tasche – Topshop

Schuhe – Puma

Was werden nur die Anderen denken?

Ein Samstagabend: Ich liege schon im Bett, habe es mir gemütlich gemacht: Duftkerzen brennen, ein aufgeschlagenes Buch wartet geduldig auf meine Aufmerksamkeit, das grelle Licht des Laptops leuchtet mich noch an – bis eben saß ich noch an einen Blogpost und wollte die frisch geschossenen Bilder bearbeiten. Auf die Fotos bin ich heute besonders stolz: Outfit und Location harmonieren, das Licht haben wir besonders gut abgepasst. Ich greife zum Handy, möchte noch schnell ein letztes Foto auf Instagram posten. Doch plötzlich halte ich inne. Von Gemütlichkeit keine Spur mehr. Die Geister der Nacht haben mich wieder einmal eingeholt.

Die Geister der Nacht – das sind Zweifel, mangelndes Selbstbewusstsein und die Stimmen der Anderen. Was werden meine Follower nur denken, wenn ich heute schon wieder ein Outfitbild hochlade? Finden sie mich eingebildet, selbstverliebt, kamerageil? Oder freuen sie sich über ein kleines Update, ein Lebenszeichen von mir? Sehen sie die harte Arbeit hinter diesem schlichten Bild? Oder beachten sie mich gar nicht und scrollen im Feed weiter nach unten?

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Nachts sieht alles negativer und düsterer aus – klar. Aber liegt es vielleicht gar nicht an der Tageszeit, sondern schlicht an mir und meinen kleinen Geistern, dass ich so zusammenzucke? Kaum einer wird merken, dass ich so mit mir kämpfe, dass so viele Gedanken auf einmal in meinem Kopf herumwirbeln. Aber so ist es: Ich kann nicht einfach tun und lassen was ich will. Bei allem was ich tue, bewegt mich vor allem eins:

Ich wünsche, dass Sie mich mögen. Dass niemand da draußen etwas schlechtes über mich denkt.

Und das grenzt mich ein. Ich baue mir einen eigenen Zaun, den ich nicht überwinden kann. Keiner da, der mir mit einer Räuberleiter hilft. Denn dieses Problem – das muss ich allein überwinden. Ganz allein. Nur stellt das für mich momentan eine schier unmögliche Aufgabe dar. Denn das Problem – das bin ich.

Ich weiß insgeheim ganz genau, dass es ein Utopie ist, von jedem gemocht zu werden. Und ganz am Rande: Möchte ich von Personen geliebt werden, die ich selbst nicht mag? Macht das Sinn? Nein, aber ich wünsche es mir dennoch. Und das verstehe ich nicht. Ich verstehe mich in diesem Punkt nicht. Und kann trotzdem nichts ändern…

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Vor einigen Tagen führte ich eine sehr interessante Unterhaltung: Es ging darum, dass bei mir nach außen hin alles vermeintlich perfekt wirkt. Freundliche Bilder, regelmäßige Reisen, hier und da neue Klamotten. Natürlich – wir stellen nur Bilder auf Instagram, die uns selbst gefallen. Aber dennoch ließ mich die Aussage nachdenken: Ich bin sehr zufrieden, wie alles ist. Ich mag mein Studium, meinen Nebenjob,  ich pflege meine vielen Hobbys, habe eine tolle Familie und einen Freund – mein Leben ist abwechslungsreich und erfüllt, vielleicht erfüllter als das der meisten Anderen. Doch trotzdem fühle ich mich oft so zerrissen. Kämpfe mit Selbstzweifeln, großen Unsicherheiten – kurz: Ich bin gefangen. Und wie schon gesagt: Ich bin selbst Schuld. Weil ich zu viel auf die Meinung der Anderen gebe.

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Vielleicht hatte ich deshalb das große Bedürfnis, mich meiner Gesprächspartnerin zu öffnen. Und klaren Tisch zu machen. Das eben auch ich mit Unsicherheiten kämpfe, dass ich große Zweifel habe und manchmal gar nicht so toll finde, was ich mache. Und ich hatte das Bedürfnis zu erzählen, wie es dazu kommt, dass ich so bin, wie ich bin. Andere sehen vielleicht nur die vielen Fotos und nehmen an, ich sei selbstverliebt. Dabei ist das Fotografieren und Fotografiert-Werden zu Hobby und Therapie für mich geworden. Weil ich mich durch Fotos und Mode ausdrücken kann – ich kann zu den Menschen werden, der ich gern sein will. Mode macht mich selbstsicherer und hilft mir, endlich mit mir im Reinen zu sein. Und es mag oberflächlich klingen, aber sobald ich schöne Fotos sehe, die aufwendig geplant wurden, löst das in mir Glücksgefühle und Stolz aus. Denn diese Fotos sind eben keine Schnappschüsse – das sind kleine Shootings. Vorab suchen wir Locations, ich plane das Outfit – wäge ab, ob es zum Hintergrund passen wird oder nicht, wir diskutieren, zu welcher Tageszeit die idealsten Lichtverhältnisse herrschen. Und soll ich Euch mal was sagen? Das macht mir verdammt viel Spaß. Und deswegen möchte ich die Bilder anschließend gern posten – doch diesem Schritt folgt der Gedanke, dass ich mich für meine Fotos rechtfertigen möchte. Weswegen ich schon wieder darauf zusehen bin, dass das nichts mit Selbstverliebt-Sein zu tun hat, dass das einfach mein Hobby ist – und mein kleiner, eigener Weg meine Unsicherheiten zu therapieren.

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Doch insgeheim weiß ich, dass diese Erklärungen nichts nützen würden. Denn – es ist traurig, ich weiß – die Leute sehen oft nur das, was sie sehen wollen. Und meine Rechtfertigungen blieben ungehört. Das sollte für mich ein Grund mehr sein, einfach das zu machen, was ich will – ohne dauernd an die Anderen zu denken. Und meistens veröffentliche ich auch wirklich alles, was ich möchte. Ich muss nur jedes mal einen inneren Kampf überwinden. Ich bin eine Kriegerin gegen mich selbst. Mit gezogener Waffe stürze ich mich ins Feld und versuche diese dummen Gedanken kalt zu machen.

Ich glaube nicht, dass das viele schaffen. Aber ich weiß, dass Einige solche Kämpfe mit sich führen – nicht nur ich. Und ich bin verdammt stolz, dass ich mich oft genug nicht von ihnen unterkriegen lasse und am Ende doch das mache, was ich will. Doch viele tun das nicht: In letzter Zeit habe ich so oft den Eindruck, dass die Menschen um mich herum nur so sind, wie sie sind, weil sie denken, dass es anderen gefällt. Sie kreieren eine Person, die von anderen – so nehmen sie an – bewundert und akzeptiert wird. Doch hauptsächlich spielen sie den Großteil ihres Alltags eine Rolle und verfolgen Ziele, die vielleicht die Anderen gut finden, sie aber in ihren tiefsten Inneren nicht. Sie sagen Sätze, die in den Ohren vieler Menschen toll klingen mögen, ihre Meinung sieht aber eigentlich ganz anders aus. Und eigentlich interessieren sie sich gar nicht so sehr für die Erderwärmung – aber sie posten es, weil die Anderen sie dafür bewundern werden.

Ich glaube, dass diese Personen oft selbst nicht bemerken, dass sie für die Anderen und nicht für sich selbst leben. Aber irgendwann kommen sie an einen Punkt, an dem es ihnen wie Schuppen von den Augen fällt. Und was machen sie? Sie leben weiter – und ändern vielleicht nichts.

Ein Thema das mich sehr beschäftigt. Das mich fragen lässt: Bin ich auch so? Ich erzähle es Euch ein anderes Mal.

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Hier seht ihr übrigens die Fotos, über die ich geschrieben habe. Und ich zeige sie Euch. Hier. Und auf Instagram. Pinterest sowieso. Wisst ihr warum? Weil sie Mühe gekostet haben. Weil sie mich stolz machen. Und vor allem: Weil sie mir gefallen. Egal, was andere denken werden. Denn in dieser Schlacht hab ich über mich selbst gesiegt.


Jeans – Levi’s

Blazer – Zara

Bluse – Zara

Schuhe – Puma

Schmuck – teils Vintage

Fotos: Tom Herold (click here)

Sein oder Nichtsein – Kaufen oder nicht kaufen

Zwischen Schulhof und Abipartys, Vorlesungssälen und Mensa: Seid ihr da immer ihr selbst? Jederzeit ganz bei euch? Oder spielt ihr eine Rolle? Nur ab und zu?
Ich weißt nicht, ob ich immer ich selbst bin. Früher ganz sicher nicht. Da zählten andere Dinge, da wollte man dazugehören. Und heute? Nur weil aus Pausenhof Mensa wurde, falle ich nicht weniger oft aus der Rolle.
Der Blick von rechts nach links. Das Glück der Anderen und das, was ich habe. Könnte ich mir nicht ein klein wenig Glanz von meiner Nachbarin stibitzen? Vielleicht indem ich genau ihre Hose, ihre Tasche kaufe? Das Glück der Anderen. Der immer grünere Rasen.

Was das mit meinem Kleiderschrank zu tun hat? Seht selbst.

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Ihr kennt das doch sicher auch: Das eigene Teenager-Ich, das bewundernd die verschiedenen Gesichter in der Schule beobachtet. Da wäre die dunkelhaarige Schulschönheit einen Jahrgang über mir. Oder die Athletin aus der 12. Die kleine Süße, mit dem verschmitzten Lachen oder das Mädchen mit den goldenen Korkenzieherlocken. Und dazwischen ich. Wie ich mich ein kleines bisschen blass fühle. Was dagegen hilft? Vielleicht eine Shoppingtour. Dann trage ich zwar die gleichen Sachen, wie meine „Vorbilder“, aber macht mich das auch glücklich? Der Blick in den Spiegel jedenfalls stellte mich nicht zufrieden. Sowieso fühlte ich mich in meinen neuen Look unbehaglich, zupfte an mir herum. Was an anderen toll aussieht, wirkt an mir fehl am Platz. Denn ich stecke in der Haut eines Anderen. Kann doch nur schief gehen, oder?

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Und auch heute, einige Jahre später, verliebe ich mich in Looks anderer Frauen und versuche ab und zu, mir etwas von ihnen abzugucken. Das ist völlig legitim und dient mir oft als Inspiration für noch bessere Looks. Aber manchmal ist es wirklich schwierig zu unterscheiden, ob ich mich schlicht inspirieren lasse, oder ob ich mir etwas fremdes zu Eigen machen will.

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Ich sehe den cleanen Look einer Bloggerin und verliebe mich auf der Stelle. Passt doch perfekt zu ihrem geordneten, erfolgreichen Leben. Könnte auch ich so sein, wenn ich nur ihre Kleidung trage? Doch bin das dann wirklich noch ich? Die, die immer gern zu auffälligem, dekadenten Schmuck und großen Taschen gegriffen hat? Oder mache ich mir vielleicht schlicht und ergreifend zu viele Gedanken? Ich bin 21 und es wäre anmaßend zu behaupten, dass ich meinen Stil voll und ganz gefunden habe. Noch nicht jetzt. Da kommt mir die Frage in den Sinn, ob man überhaupt jemals seinen ganz eigenen Stil findet. Oder, ob wir uns mit diesem Vorhaben vielleicht viel zu sehr unter Druck setzen. Was spricht dagegen zwischen verschiedenen Looks zu switchen? Mal sportlich, mal klassisch, mal trendy. Mode sollte kein Diktat sein, wir dürfen nicht alles „tot-denken“. Natürlich ziehen sich einige Faktoren wie ein roter Faden durch unsere Kleiderschränke. Und vielleicht reicht das schon als Alleinstellungsmerkmal. Bitter wird es erst, wenn wir versuchen uns durch Kleidung ein anderes Leben vorzugaukeln.

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Was sagt ihr: Ist die Stil-Suche ein nie endender Weg, oder seid ihr modisch bereits voll und ganz bei Euch? Habt ihr selbst schon einmal Sachen nachgekauft, nur weil ihr damit dazugehören wolltet?

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Kleid – Na-kd

Ringe – Vintage

Ohrringe – Primark

Das gute Leben

Kennt Ihr das? Ihr seid immer gewillt ein gutes Leben zu führen, euch zu verbessern, Optimierung hier, Optimierung da. Ich will an mir arbeiten, neues ausprobieren, was meinen Alltag vielleicht noch ein kleines bisschen besser macht. Offene Augen und Ohren überall, her mit den Ratschlägen. Doch am Ende des Tages frage ich mich: Was ist denn überhaupt dieses „gute Leben“?

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Ich denke über mein Leben nach und komme zu den Schluss, dass ich wirklich ein gutes Leben führe. Mir macht mein Studium und meine Arbeit großen Spaß, ich verdiene mein eigenes Geld, bereise schöne Orte, haben einen tollen Freund, eine mich liebende Familie und Freunde, tolle Hobbys. Kurzum: Mein Leben ist doch „gut“, oder?

Doch warum sieht das Leben der Anderen oft noch besser aus? Was machen sie anders?

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Das Gras im Nachbargarten ist immer grüner. Ich weiß schon. Aber trotzdem: Ein Kommilitone arbeitet noch viel härter als ich, verpasst keine einzige Vorlesung und schreibt dieses Semester noch mehr Klausuren. Nebenbei geht er jeden Tag ins Fitnessstudio und bereitet sich schon fleißig auf den Master vor. Außerdem ernährt er sich vegan und rümpft über meinen Coffee-to-Go nur die Nase.

Und ich? Ich bin einfach froh, wenn ich nach einen Arbeitstag nachhause komme und ein Buch lesen oder mit meinem Freund Netflix schauen kann. Doch andere gehen nach einen langen Tag noch feiern, um am nächsten Morgen um 6 Uhr joggen zu gehen.

Ist es das? Das „gute Leben“?

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Ich zum Beispiel, mag mein Leben. Aber ich sehe dennoch viele Kleinigkeiten, die mich über die Maßen ärgern und die ich gern ändern würde.

Da wäre zum Beispiel mein Blog: Ich liebe ihn heiß und innig, doch die Zeit kommt dafür schon lange viel zu kurz. Ich arbeite daran, produziere Fotos und überlege mir Texte. Doch am Ende lade ich wieder keinen Eintrag hoch, weil er mir nicht gut genug ist. Viele andere würden sagen: Ist doch kein Problem – die letzten Monate waren eben besonders stressig, ruhigere und produktivere Zeiten werden kommen. Doch ich will am liebsten IMMER produktiv sein. Doch irgendwie schaffe ich immer nur „entweder oder“. Ich hab meinen Alltag sehr optimiert. Und darauf kann ich doch eigentlich stolz sein. Ich mache fast täglich Sport, ich ernähre mich recht gesund, gönne mir jeden Abend etwas Me-Time und Wellness. Kurz: Ich versuche die Balance zwischen Stress und Entspannung sehr ausgewogen zu halten. Das gelingt natürlich in manchen Wochen (gerade am Ende des Semesters) auch mal weniger gut. Doch trotz meiner Bemühungen fehlt es mir hin und wieder einfach an Energie. Anderen mangelt es scheinbar nie daran und ich frage mich: Was ist Euer Geheimnis?

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Man spricht ja häufig von den sechs Säulen des Lebens. Ernährung, körperliche Fitness, Soziale Beziehungen, guter Schlaf, Bildung und finanzielle Unabhängigkeit. Das eine beeinflusst das andere. Leidet der Schlaf, so leidet höchst wahrscheinlich auch meine Ernährung.

Ich muss zugeben: Auf der einen Seite denke ich: Logisch! Das ist so. Auf der anderen Seite klingt mir das alles zu abstrakt. So leicht kann es ja wirklich nicht sein, oder?

Ich muss aber schon zugeben, dass ich mich, seitdem ich regelmäßig Sport mache, definitiv wohler und vor allem positiver fühle. Ich habe nie „nichts“ gemacht. Heißt: Ich hab immer etwas für meine Fitness getan. Halt nur manchmal weniger, mal mehr intensiv. Seit 45 Tagen sportel ich nun täglich 30 Minuten. Und was habe ich bemerkt? Ich bin tatsächlich ausgeglichener, zufriedener und energievoller. Vielleicht kann es ja wirklich so einfach sein und die eine Säule hat Auswirkungen auf die andere. Ernährt man sich besser, schläft man auch ruhiger. Demnach ist man netter zu seinen Mitmenschen und baut leichter Freundschaften auf. Und so weiter, und so weiter.

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Bleibt nur die Frage: Warum beschäftigen wir uns mit solchen Dingen?

Ich finde, die Suche nach Zufriedenheit und nach dem Weg, genau das zu erreichen, sollte selbstverständlich sein. Selbstoptimierung klingt in den heutigen Zeiten immer etwas negativ. Doch ich finde nichts verwerflich daran, sich selbst immer verbessern zu wollen. Nur sollte dies nicht für die Anderen geschehen, sondern nur für einen selbst. Und das ist wahrscheinlich die Schwierigkeit. Mache ich etwas für mich, oder um vor anderen gut dazustehen? Ich denke, dass beide Beweggründe oft gar nicht so leicht auseinanderzuhalten sind.

Aber vielleicht ist dieser Unterschied auch gar nicht so wichtig. Vielleicht ist es ja egal, was uns dazu bewegt, uns zu verbessern und bewusster zu leben. Hauptsache wir sind glücklich und zufrieden. Denn was kann schon so schlimm daran sein, wenn man darauf achtet, dass alles bei einem im grünen Bereich ist? Michael Buchinger fast es für mich gut zusammen: Eigentlich sind wir Sims-Figuren: Da achtet man auch nur darauf, dass alles „grün“, also in Balance ist. Und erreicht man das, so geht es dem Sims gut.

Und uns eben auch.

 

Jedes einzelne Mädchen

So ist das nun mal bei Mädchen: Die Leute beurteilen Dich nach Deinem Aussehen. Und den Dingen, die sie über Dich hören. Sie kleben Dir ein Etikett auf.
Mir kommt es so vor, als hätten Jungs die Möglichkeit sich selbst zu definieren. Sie können sich ihre Identität aussuchen. Und sie können sich dahinter verstecken.
Ich glaube manche wissen wie es ist, Angst zu haben. Das Gefühl zu haben, dass die Welt einem ein bestimmtes Etikett angehängt hat, mit dem man bis zu seinem Lebensende leben muss.
Aber die meisten Jungs wissen nicht, wie das ist.
Jedes einzelne Mädchen weiß es.

– Jessica Davis aus „Tote Mädchen lügen nicht“ –

Ich war 13 und wollte unbedingt ein „Image“ haben. Ich wollte nicht unsichtbar sein, ich wollte jemand sein. Doch wie will ich sein? Wer will ich sein? Hab ich eine Chance selbst zu bestimmen, wie man mich wahrnimmt? Oder übernehmen das die Anderen? Kann meine Kleidung, meine Art zu sprechen, meine Positionierung vielleicht helfen, eine Identität aufzubauen, die ich mir wünsche? Oder bin ich einfach nur machtlos?

Ich hatte nie Probleme bei Jungen. Oder mit Jungen. Sie waren nett zu mir und verbreiteten – soweit ich weiß – keine Lügen über mich. Aber ich wusste dass einige von ihnen Spitznamen für uns hatten. Ich war dabei, als sie Listen erstellten und mir im Anschluss zeigten, auf welchen Platz ich mich befand. Wie hübsch ich ihrer Meinung nach war. Und ich bekam mit, wie sie mit manch anderen Mädchen umgingen. Ein falsches Foto an den Jungen geschickt, den sie mochte. Zack – Etikett. Leicht zu haben. Sie hat es nötig. Bereit und willig. Mädchen 2 wurde mit jemand anderem verwechselt. Eigentlich war nicht sie es, die mit ihm auf einer Party schlief. Sie sah jemandem nur etwas ähnlich. Zack – Etikett. Schlampe. Flittchen. Mädchen Nummer 3 war eigentlich nur etwas schüchtern, suchte oft zu lange nach den richtigen Worten. Doch die meisten verschwendeten keinen zweiten Blick und bemerkten nicht, wer eigentlich hinter der ruhigen Fassade steckt. Zack – Etikett. Arrogant. Unnahbar. Denkt wohl sie sei etwas besseres als wir? Die Vierte im Bunde verliebte sich ständig, war eine große Romantikerin, aber zu schüchtern, um ihre Gefühle zu gestehen. Auf Partys blieb sie zurückhaltend, träumte davon erobert zu werden. Doch das interessierte keinen. Zack – mal wieder ein Etikett. Bieder, langweilig, verklemmt.

Ich denke nicht, dass alle Männer so oberflächlich sind. Im Gegenteil: Ich weiß es. Aber ich weiß eben auch, wie schlimm Schule sein kann. Wie groß der Druck ist mitzuhalten, bei den „Coolen“ sein zu können und alle Probleme von sich fern zuhalten. Einfach mitmachen – denken sich die meisten. Und verhalten sich im Nachhinein betrachtet böse. Sehr böse.

Ich hab die zweite Staffel „Tote Mädchen lügen nicht“ innerhalb weniger Tage angeschaut. Und Jessicas Worte aus Folge 3 sind mir dabei besonders im Kopf hängen geblieben. Anders formuliert: Mich trafen ihre Worte mit so einer Wucht, weil sie so wahr sind. Sie hat geschafft etwas auszusprechen, dass ich die ganzen Jahre nicht geschafft habe, in Worte zu fassen.

Die Schule kann oberflächlich sein und ich bin froh, dass sich dieses Kapitel für mich vor drei Jahren geschlossen hat. Ich bin mittlerweile der Überzeugung, dass viele Schüler – besonders Schülerinnen – gar keine Chance haben, sich ihre eigene Identität zu formen. Denn dazu müssten die Anderen ja hinsehen, sich Mühe geben einen kennenzulernen. Und das passiert nur selten.

Stattdessen wird kurz hingesehen und sofort nach Äußerlichkeiten bewertet. Hübsch oder nicht hübsch? Ich bin mir sicher, dass es Jungs in dieser Hinsicht nicht so schwer haben. Und da fängt für mich der Sexismus an: Vielleicht mögen sie es nur denken, nicht einmal aussprechen. Doch Mädchen werden nach ihren Aussehen bewertet. Oder war bei Euch in der Schule das beliebteste Mädchen nicht hübsch?

Ich weiß noch, als alle gespannt auf die Abizeitungen und die darin stehenden Rankings warteten. Wer ist die Hübscheste? Wer hat den besten Style? Der oder die Streberin? Die mit den schönsten Lippen oder wer braucht vielleicht ein Umstyling? Ein Mädchen sagte damals zu mir: „Hauptsache du stehst auf der Liste. Denn wenn Du gar nicht drauf stehst, bis du langweilig.“

Falsch. Vielleicht hast Du es dann geschafft, den ganzen Mist zu entgehen. Und dein eigenes Ding zu machen.

Ich war nie die Streberin, nie die, die leicht zu haben ist, nie die Sportlerin oder das Partygirl. Ich weiß nicht wer ich für die Anderen damals war. Und vielleicht ist das gut so. Vielleicht ist das ein Zeichen. Vielleicht war ich nicht so tief in diesem Sog drin, wie Andere.

Aber trotzdem hatte ich Angst vor diesem „Etikett“, das ich nicht kannte. Davor, dass die Welt mich jetzt immer so wahrnehmen wird und ich nie die Chance bekomme, etwas daran zu ändern. Heute weiß ich, dass das Blödsinn ist. Dass man sich – manchmal sogar ziemlich leicht – von diesen Lasten lösen kann. Im Leben nach der Schule, sind die meisten Menschen viel offener, hören zu, schauen hin. Vielleicht weil sie alle die selbe Angst teilen? Keinen Einfluss darauf zu haben, wer man ist? Wem die Anderen in einem sehen? Wollen wir nicht alle neu anfangen?

Vielleicht macht diese Angst die Zeit nach der Schule so viel besser. Denn die, die urteilen und anderen einpflanzen, wie man seine Mitschüler zu sehen hat, waren schon damals nicht in der Überzahl. Und nun sind sie machtlos. Weil sie ihre Herde verloren haben. Von Schulhof-Chef zum Alltags-Menschen, der traurig und resigniert am Computer sitzt, um zu verfolgen, was seine früheren Schäfchen jetzt so machen. Um dann entsetzt festzustellen, dass sich die ehemaligen Untertanen emanzipiert haben und jetzt vielleicht sogar ein viel besseres Leben als er oder sie selbst führen.

So kann das sein.

So kann es kommen.

Denn der Wind dreht sich immer.

Und das Schicksal zieht mit.

Die Schule ist nicht das wahre Leben.

Und das ist gut so.

Die letzten 8 Jahre

Es gibt Tage, an denen sprudeln die Worte nur so aus mir heraus. Aber in den letzten Wochen, will einfach kein vernünftiger Satz aus meinen Fingern fließen. Ich plane Outfits, mache Fotos, aber die ganzen schönen Aufnahmen versauern auf meinem Laptop, weil einfach kein Blogeintrag zustande kommt. Dabei ist mir das hier doch so wichtig. Doch mein Kopf ist wie ein unsortierter Haufen Kleidung: Was ziehe ich an? Was kann weg? Was lege ich für besondere Anlässe zurück? Meine Gedanken drehen sich, ich habe viele Ideen, aber ich kann sie nicht in Worte fassen. Vielleicht weil es zu viele sind? Also setzte ich mich hin, versuche meine Gedanken durchzusuchen, neu zu organisieren und auszumisten. Danach begann ich von neuem zu überlegen: Was macht mich und meine Gedanken aus? Was inspiriert mich? Wo will ich hin?

Was mir dabei half? Meine alten Tagebücher. Ich tauchte ab, in acht Jahre Isabel. Was dabei herauskam? Ein breites Lächeln, kleine Tränen und sehr viel Einsicht.

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26.08.2010

„Warum haben so viele Menschen Angst, ihren wahren Charakter zu zeigen? Ich bin doch immer ich, oder? Wie viele Persönlichkeiten habe ich?“

Ich weiß noch, dass ich mich zu dieser Zeit ziemlich verloren fühlte. Ich passte nirgendwo rein, hatte andere Interessen als meine Mitschüler und fühlte mich uncool. Ich war mir sicher, dass meine Situation viel einfacher sein würde, wenn jeder mehr er selbst sein würde. Damals machten die meisten nur das, was die große Gruppe auch wollte. Viele verstellten sich. Ich dachte, dass, wenn jeder mehr zu sich selbst stehen würde, die Welt viel besser sein könnte.

22.1.2011 

„Außenseiter haben auch was drauf“

Schon mal als Außenseiter gefühlt? Weil man nicht so hineinpasst, andere Meinungen hat, anders aussieht und andere Träume verfolgt? Das Gefühl, nicht so zu sein, wie die Anderen, verfolgte mich in meiner Jugend stetig. Oft sah ich nur eine einheitliche Masse und ich stand außen vor. In dieser Zeit begann ich Biografien zu lesen. Über Romy Schneider, Diana, Sophia Loren, Coco Chanel, Ludwig II. und viele andere. Plötzlich öffnete sich für mich eine neue Welt. Diese Menschen hatten alle etwas gemeinsam: Das Gefühl, nicht hineinzupassen. Und trotzdem, oder gerade weil sie anders waren, schafften sie etwas Großes. Also könnte ich das doch auch schaffen?

26.4.2011

„Ich würd so gern Prinzessin werden…aber wie treffe ich nur einen Prinzen?“

Romantisch ist mein zweiter Vorname. Hochzeiten, Märchen, Kleider, Prinzessin werden. Damals war ich fasziniert von Kate und Williams Hochzeit. Und auch heute bin ich immer noch für den Adel entflammt. Peinlich? Nein, das ist mir mein reges Interesse für den Adel heute nicht mehr. Bald ist es ja auch wieder soweit: Die nächste royale Hochzeit findet statt. Und ich gebe ganz offen und ohne Scham zu: Ich freue mich drauf!

11.10.2011

„Der Pfad zum Glücklichsein beginnt mit einem Traum.“ 

Ich hatte viele Träume. Eigentlich träumte ich damals nur. Heute – Gott sei Dank – auch noch. Als Teenager wollte ich die große weite Welt sehen, Journalistin werden, schreiben, schreiben, schreiben und einmal eine starke Frau werden. Und wenn ich die Zeilen meines damaligen Ichs so lese, dann erfüllt es mich mit Stolz: Denn ich arbeite immer noch ehrgeizig an genau diesen Zielen. Ich erkunde die Welt, ich studiere und arbeite hart, verdiene mein eigenes Geld und nehme mein Leben in die Hand.

2012

„Sie ist wie ich – sie hat am meisten Angst vor dem, was sie am besten kann“

Ich über Romy Schneider, die die Schauspielerei als Gift sah. Ich hatte Angst vor dem Schreiben, weil ich dachte, dass ich nie gut genug sein werde. Ihr ging es irgendwie genauso…und auch heute habe ich oft die Auffassung, dass ich dem Füller lieber fern bleiben soll, wenn ich nur mittelmäßige Texte schreibe. Dumm, oder? Warum nicht einfach machen, was man liebt? Einfach nur für sich? Einmal den Ehrgeiz und den Perfektionismus bei Seite legen.

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7.1.2014
“ I am not a Girl, not yet a women“
Dazwischen. Kein Kind mehr, aber auch keine Frau. Bald keine Schülerin, aber auch noch keine Studentin. In der 11. und 12. Klasse tobte in mir ein Sturm. Ich fühlte mich noch geborgen, aber gleichzeitig machte ich mir auch Sorgen darüber, wie sich mein Leben verändern wird, wenn ich mein Abschlusszeugnis in den Händen halten werde.
18.2.2015
„Das Leben ist eine Bühne, aber das Stück ist schlecht besetzt (Oscar Wilde)“
Die letzten beiden Jahre meiner Schulzeit waren turbulent, aufregend, aber auch schmerzhaft. Ich verabschiedete mich nicht nur von meinem alten Leben, von Lehrern und der Schule, sondern auch von einigen giftigen Freundschaften. Ich wollte mich nicht mehr mit Zweckbeziehungen zufrieden geben. Menschen, die mich anlächelten und mir ewige Freundschaft schworen, sich aber im nächsten Moment hinter meinen Rücken über mich ausließen. Nein, das konnte ich nicht mehr akzeptieren. Damals war mein Leben voll von Menschen, die mir nicht gut taten. Und ich habe diese radikal „aussortiert“. Damals war es hart. Heute, rückblickend, war es die beste Entscheidung meines bisherigen Lebens.

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13. Juli 2015
„Wie Hadley mit Ernest“
…so fühlte ich mich als ich das erste mal über die Champs Elysées schlenderte. Zum Abitur schenkten mir meine Eltern eine Kreuzfahrtreise. Southampton, Brücke, Amsterdam und: Paris – die Stadt, von der ich am meisten träumte. Und ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, wie ich in einen rosa Sommerkleidchen über die Champs Eysées flanierte. Ich fühlte mich so schön, wie noch nie und vor allem: So frei, wie noch nie. Ich kostete vom süßen Leben. Zwei Jahre später, kehrte ich wieder zurück. Gewiss nicht das letzte Mal.
4.12.2016
„Ich schreibe, Ich musste jetzt einfach wieder den Füllhalter in die Hand nehmen. Es muss wieder zur Gewohnheit werden. Tinte in meinem Blut.“
Früher schrieb ich jeden Tag. Seite um Seite. 2016 verlor ich diese Leidenschaft ein wenig. In meinem Leben hatte sich einiges verändert. Natürlich….das Erwachsen-Werden…ich musste mich selbst erst einmal wieder neu kennenlernen. Doch ich habe nie ganz die Liebe zum Wort verloren. Und ich spüre, wie das Schreiben wieder selbstverständlich wird. Das tut gut. Das macht mich glücklich. Vielleicht waren der Füller und ich wie ein Pärchen, dass sich schon von klein auf kennt und mal kurz getrennte Wege gehen musste – um wieder gestärkt und glücklicher in die neue Beziehung zu starten. Wir brauchten eine Pause, doch jetzt lieben wir uns wieder mehr denn je.

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Mich inspiriert so vieles: Bücher, Menschen, Filme, Musik, Farben, Gerüche. Ich muss nur alle meine Sinne öffnen. Aufmerksamer werden. Und mehr auf mich hören. Mich selbst finden und immer wieder neu kennenlernen. Das schaffe ich nur, wenn ich auch einmal zurück schaue. „Schau nie zurück, sondern nur nach vorn“ ist doch Blödsinn, oder? Wir Menschen bestehen doch nicht nur aus Zukunft? Wir wurden von der Vergangenheit geformt, wieso also, sollten wir sie versuchen zu vergessen? Ich bin mir sicher, dass uns ein Blick zurück reifen lassen kann. Und uns die Augen öffnet. Wie mir gerade. Die Inspiration war weg, also ging ich zurück. Zurück in die letzten acht Jahre meines Lebens. Und genau das war es: Das inspirierte mich. Ich fand neue Inspiration in mir selbst.