Die Sache mit den Luxustaschen

Eine Mädelsrunde. Stuhlkreis, ernste Themen werden genauso auf den Tisch gelegt wie der neueste Klatsch. Viel Lachen, kleine gelüftete Geheimnisse aber auch belanglose Plaudereien. Herrlich. Auch über Mode wird diskutiert. Was steht oben auf der Wunschliste? Immerhin ist bald Weihnachten. Welche Marke bringt momentan die schönsten Designs auf den Markt? Und dann ein Satz, der wohl lustig gemeint war, mich aber zum Nachdenken brachte. „Hauptsache teuer, oder Isabel?“

Allgemeines Lachen, auch ich stimme ein. Aber stimmt das? Bin ich ein logo-süchtiger Snob?

IMG_6534

Ich konsumiere. Gern. Und ohne schlechtes Gewissen. Manche mögen an dieser Stelle wegklicken und die Augen verdrehen. Andere bleiben vielleicht hier und lesen weiter. Denn es gibt ein Aber.

Es stimmt: Manche große Namen lösen in mir wohlige, sehnsüchtige Gefühle aus. Das gründet wohl in meiner Teenagerzeit. Mit 13 entwickelte ich ein großes Interesse an bekannten Modehäusern. Dior, Chanel, Yves Saint Laurent. Meine damaligen Helden? Coco und Karl. Mein wahres Interesse galt weniger den Luxusgütern, die ich mir ja eh nicht leisten konnte. Die beiden verkörperten für mich eher eine große, spannende Welt. Ein Leben voller harter, aber leidenschaftlicher Träume. Mich faszinierte der Mut, etwas Eigenes aufzubauen, trotz harter Kritik, die vor allem Coco entgegenwehte. Erst allmählich begann ich auch von Taschen, Schmuck und Kleidern zu träumen.

Ich saß in meinem Zimmer unterm Dach. Weißes Ledersofa, die Wand voller Bücher, der Fernseher eingeschaltet. Audrey Tautou flimmerte als Gabrielle Chanel über den Bildschirm. Und das jeden Tag. Ungelogen. Wie gesagt: Coco war meine Heldin.

IMG_6543

Auf meine Notizbücher schrieb ich immer wieder den Satz: „Man findet nur einen Tropfen im Ozean.“ Und genau diesen einen Tropfen hatte Chanel für sich gefunden. Das wollte ich auch.

Ich kaufte alte Perlenketten auf Flohmärkten, peppte meine schwarzen Cardigans mit Broschen auf, trug roten Lippenstift auf dem sonst ungeschminkten Gesicht. Ich kleidete mich nicht wie ein 13, 14-jähriger Teenie. Aber mir gefiel’s.

Was ich damit sagen möchte? Ich kaufe nicht, um zu gelten. Ich kaufe nicht, um anzugeben. Manche Marken umweht eine besondere Geschichte, dieses Eine Gefühl. Sie riechen nach Leidenschaft, Geschichte und Magie. Ich kaufe nicht nur eine Tasche, sondern auch genau diese Emotionen.

Und stets ploppt an der Kasse immer dieses eine Bild vor meinem inneren Auge auf: Die kleine Teenager-Isabel, die im stillen Kämmerlein Chanel-Modenschauen anschaute und sich nach deren Vorbild aus alten Flohmarkt-Käufen neue Accessoires bastelte.

Und obwohl ich mich nicht rechtfertigen muss, hier ein kleiner Reminder: Ich kaufe diese Dinge nicht aus Lust und Laune. Ein Beispiel: Der erste Paris-Besuch. Ich wusste: Ein besonderes Andenken musste her. Also legte ich mir etwas Geld beiseite. Und am vorletzten Tag in der Stadt der Liebe statteten Tom und ich „Tiffany & Co“ einen Besuch ab. Und auch heute noch hege und pflege ich dieses Schmuckstück und spüre beim Tragen die Magie dieser Tage. Oder Silvester in München. Ich wollte das neue Jahr – das vielleicht letzte meiner Unilaufbahn – besonders starten. Ich stöberte fast ein halbes Jahr durch Secondhand-Läden und Onlineshops. Bis ich dieses eine Stück fand. Chanelohrringe, gefertigt im April 1997. Mein Geburtsmonat.

Ich trage all diese Dinge mit Stolz und Liebe. Mir ist bewusst, dass nichts davon selbstverständlich ist. Lebensnotwendig? Keines Falls. Luxus? Ja! Aber einen, den ich mir hin und wieder gönne.

Ich sage gern: Ich trinke nicht, ich nehme keine Drogen, ich gehe kaum feiern und arbeite viel. Jeder braucht, oder hat zumindest so seine Laster. Mode ist meins. Doch eigentlich ist es traurig, dass ich mich gezwungen fühle, mich zu rechtfertigen. Und das ist auch der einzige wunde Punkt, den dieses Thema für mich hat. Das Unverständnis der Menschen. Die kleinen spitzen Kommentare, der belustigte Unterton. Die Vermutung, dass ich reiche Gönner habe, die mir solche Geschenke machen. Nein, der einzige Gönner bin ich. Und niemand muss mich oder meinen Konsum verstehen. Aber bitte tolerieren. Ja? Geht das? Das wäre schön.

Denn es ist ok, teure Taschen oder Schmuck zu mögen. Ich tue niemanden damit weh.

Das musste einmal gesagt werden.

Und noch ein letzter Gedankenanstoß: Ist es nicht ganz im Sinne der aktuell immer lauter werdenden Stimmen nach Nachhaltigkeit? Lieber weniger, aber bedachter kaufen? Lieber ein gutes Teil, statt zehn von H&M und Co?

IMG_6552

So. Und wer bis hierhin durchgehalten hat und vielleicht auch schon lange mit den Gedanken spielt in ein teureres Piece zu investieren, den gebe ich an dieser Stelle mal meine Checklist mit auf dem Weg. Ob als Anregung, Vergleich oder Tipp.

  • Würde mir das Teil auch gefallen, wenn es von einer ganz unbekannten Marke stammen würde? Denn zugegeben: Es ist verlockend, wenn auf einer Tasche oder sonstigen Accessoires die Logos bekannter Modehäuser prangen. Hierbei muss man sich versuchen klar zu machen: Hab ich mich in das Design oder den Namen verliebt?
  • Geduld: Wie schon erwähnt – ein teures Teil kauft man sich nicht aus einer Laune heraus. Mit meinem jüngsten Kauf (die Aigner Fiorentina in Größe S) liebäugle ich schon seit Januar. Also habe ich genau ein Jahr gewartet, um mir dieses Schätzchen zu kaufen. Der Grund? Ich hab mich immer noch nicht satt gesehen! Im Gegenteil. Und ich werde es auch nicht so schnell.
  • Auf Klassiker setzen: Diesen Tipp liest man sicherlich ÜBERALL, aber er ist so, so wichtig. Wenn ihr nicht gerade mit unfassbaren Reichtum gesegnet seid, ist es vielleicht nicht all zu klug in momentane It-Pieces zu investieren, die im schlimmsten Fall eine Haltbarkeit von höchstens einer Saison haben.
  • Nicht über seine Verhältnisse leben: Manche Leser werden vielleicht über meine sogenannten „Investment-Pieces“ lachen. Aber wie man sich sicherlich denken kann, sind Chanel, Gucci und Co (noch – wer weiß?) unerreichbar für mich. Aber gerade kleinere Käufe, wie Schmuck, oder Portmonees sind durchaus erschwinglich, vor allem Secondhand. Es gibt auch tolle Marken im mittleren Preissegment, wie Aigner, Furla oder Lagerfeld. Mit Taschen dieser Marken habe ich bereits gute Erfahrungen gemacht. Die Taschen sind allesamt aus hochwertigen Echtleder, sie sind super verarbeitet und die Designs sind ein Träumchen.
  • Der richtige Antrieb: Geht es ums Dazugehören? Um die Liebe zu schönen Designs? Horcht tief in euch hinein und findet den Grund, warum ihr etwas wollt und ob ihr aus den richtigen Antrieb heraus kauft.

IMG_6542

 

Veröffentlicht von The Italian Bazaar

Isabel Reisen-Mode-Kultur

2 Kommentare zu „Die Sache mit den Luxustaschen

  1. Hallo meine Liebe,
    ich habe diesen Beitrag verschlungen, da du mir aus der Seele sprichst. Vor kurzem habe ich mir eine neue Designertasche gekauft. Nicht super teuer, aber es ist eben eine Luxusmarke. Gestern stieg ich in das Auto meiner Freundin. Dort saß ihre Schwester und ihre Mutter drin. Meine Freundin bemerkte direkt meine neue Tasche, da sie Designerstücke sehr gerne mag. Und dann wurde ich überrascht. Ich habe direkt erzählt, dass ich mir die Tasche selber geschenkt habe und ahnte schon, dass nun Sätze wie „Das geht auch mit einem kleineren Geschenk“ oder “ Du hast dich ja sehr lieb“ fallen würden, aber ihre Mama meinte nur „Nur richtig so! Du arbeitest viel! Du hast es verdient“! Ich war positiv überrascht und habe absolut nicht damit gerechnet, da viele Menschen direkt ihre Vorurteile aussprechen!

    Ich wünsche dir einen schönen 3. Advent!

    Liebst Linni
    http://www.linnisleben.de

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: