Jetzt mal ehrlich: Wie geht es dir wirklich?

Es ist bekannt: Auf die Frage „Wie geht es dir?“ antwortet niemand ehrlich. Aus Höflich- oder Bequemlichkeit, weil man dem Gegenüber Zeit ersparen möchte, aus Scham oder einfach weil man es eben so macht. Doch jetzt mal Butter bei die Fische: Wie geht’s? So wirklich?

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Ich geb’s zu: Selbst bin ich ja keinen Deut besser, als die meisten anderen. Doch in den vergangenen Wochen tat sich etwas. Auf die leidliche Small-Talk-Frage habe ich wirklich mal ganz authentisch und aufrichtig geantwortet. Getreu dem Motto: Was soll’s! Dann lass ich eben mal alles raus.

Also erzählte ich wo es derzeit zwickt, dass meine Kopfschmerzen wieder einmal unerträglich sind und mein Hals auch schon wieder verrückt spielt. Die Bachelorarbeit läuft zwar, trotzdem liege ich nachts oft wach und mache mir Sorgen. So sieht’s aus!

Wie ich mich danach fühlte? Richtig gut! Denn ist es nicht anstrengend immer Contenance zu wahren und angepasst, bzw. höflich zu sein? Ich muss zugeben, dass ich seit Oktober unter ständigen „Strom“ stehe. Immer gibt es etwas zu erledigen, die To-Do-Liste ist lang, es gibt viele Dinge, an die ich denken muss und ja nicht vergessen darf! Mir geht’s gut, im Grunde läuft alles rund, aber ich fühle mich nicht hervorragend. Es gab eben schon Zeiten in meinem Leben, in denen ich mich seelisch leichter und frischer gefühlt habe.

Und wenn man dann immer noch ein strahlendes Lächeln aufsetzen muss, damit die Anderen vermeintlich zufrieden sind, dann steigert das doch den Druck nur noch mehr. Oder?

Denn solche Momente „triggern“ mich, wie man so schön sagt. Ich achte derzeit vermehrt darauf, wann es mir besser oder schlechter geht und versuche die Gründe herauszufinden, um ähnliche Situationen zu vermeiden. Gesagt, getan. Drei Wochen ohne Verstellen, kein Schauspiel, nur die pure und authentische Isabel. Quasi ein selbst auferlegtes „Jenke-Experiment“ nach meiner Art. 

Doch was soll ich sagen: Es funktioniert! Und es ist gar nicht so unangenehm wie gedacht. Im Gegenteil: Vielleicht flammte in den Augen meiner Gesprächspartner kurz etwas Irritation auf, doch nachdem sie sich angehört haben, wie es mir momentan wirklich geht, schlossen sie sich mir an und öffneten sich. Einen Satz, den ich danach oft hörte: „Das tat gerade richtig gut!“ Und ob es das tat!

Denn wir sind nun mal nicht alle perfekt. Das zu erkennen ist eine Wohltat. Wir sitzen alle im selben Boot aus Alltagsstress, kleinen und großen Problemchen. Sich das auch einzugestehen und mit anderen auszutauschen macht Mut. Kopf hoch, dem Kollegen, der Nachbarin, Kommilitonen oder Verwandten geht es vielleicht momentan auch nicht gut.

Also meine Lieben: Zum Abschluss die Frage: Wie geht es euch? So wirklich? Es gibt kein richtig oder falsch. Nur die Wahrheit.

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Die Sache mit den Luxustaschen

Eine Mädelsrunde. Stuhlkreis, ernste Themen werden genauso auf den Tisch gelegt wie der neueste Klatsch. Viel Lachen, kleine gelüftete Geheimnisse aber auch belanglose Plaudereien. Herrlich. Auch über Mode wird diskutiert. Was steht oben auf der Wunschliste? Immerhin ist bald Weihnachten. Welche Marke bringt momentan die schönsten Designs auf den Markt? Und dann ein Satz, der wohl lustig gemeint war, mich aber zum Nachdenken brachte. „Hauptsache teuer, oder Isabel?“

Allgemeines Lachen, auch ich stimme ein. Aber stimmt das? Bin ich ein logo-süchtiger Snob?

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Ich konsumiere. Gern. Und ohne schlechtes Gewissen. Manche mögen an dieser Stelle wegklicken und die Augen verdrehen. Andere bleiben vielleicht hier und lesen weiter. Denn es gibt ein Aber.

Es stimmt: Manche große Namen lösen in mir wohlige, sehnsüchtige Gefühle aus. Das gründet wohl in meiner Teenagerzeit. Mit 13 entwickelte ich ein großes Interesse an bekannten Modehäusern. Dior, Chanel, Yves Saint Laurent. Meine damaligen Helden? Coco und Karl. Mein wahres Interesse galt weniger den Luxusgütern, die ich mir ja eh nicht leisten konnte. Die beiden verkörperten für mich eher eine große, spannende Welt. Ein Leben voller harter, aber leidenschaftlicher Träume. Mich faszinierte der Mut, etwas Eigenes aufzubauen, trotz harter Kritik, die vor allem Coco entgegenwehte. Erst allmählich begann ich auch von Taschen, Schmuck und Kleidern zu träumen.

Ich saß in meinem Zimmer unterm Dach. Weißes Ledersofa, die Wand voller Bücher, der Fernseher eingeschaltet. Audrey Tautou flimmerte als Gabrielle Chanel über den Bildschirm. Und das jeden Tag. Ungelogen. Wie gesagt: Coco war meine Heldin.

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Auf meine Notizbücher schrieb ich immer wieder den Satz: „Man findet nur einen Tropfen im Ozean.“ Und genau diesen einen Tropfen hatte Chanel für sich gefunden. Das wollte ich auch.

Ich kaufte alte Perlenketten auf Flohmärkten, peppte meine schwarzen Cardigans mit Broschen auf, trug roten Lippenstift auf dem sonst ungeschminkten Gesicht. Ich kleidete mich nicht wie ein 13, 14-jähriger Teenie. Aber mir gefiel’s.

Was ich damit sagen möchte? Ich kaufe nicht, um zu gelten. Ich kaufe nicht, um anzugeben. Manche Marken umweht eine besondere Geschichte, dieses Eine Gefühl. Sie riechen nach Leidenschaft, Geschichte und Magie. Ich kaufe nicht nur eine Tasche, sondern auch genau diese Emotionen.

Und stets ploppt an der Kasse immer dieses eine Bild vor meinem inneren Auge auf: Die kleine Teenager-Isabel, die im stillen Kämmerlein Chanel-Modenschauen anschaute und sich nach deren Vorbild aus alten Flohmarkt-Käufen neue Accessoires bastelte.

Und obwohl ich mich nicht rechtfertigen muss, hier ein kleiner Reminder: Ich kaufe diese Dinge nicht aus Lust und Laune. Ein Beispiel: Der erste Paris-Besuch. Ich wusste: Ein besonderes Andenken musste her. Also legte ich mir etwas Geld beiseite. Und am vorletzten Tag in der Stadt der Liebe statteten Tom und ich „Tiffany & Co“ einen Besuch ab. Und auch heute noch hege und pflege ich dieses Schmuckstück und spüre beim Tragen die Magie dieser Tage. Oder Silvester in München. Ich wollte das neue Jahr – das vielleicht letzte meiner Unilaufbahn – besonders starten. Ich stöberte fast ein halbes Jahr durch Secondhand-Läden und Onlineshops. Bis ich dieses eine Stück fand. Chanelohrringe, gefertigt im April 1997. Mein Geburtsmonat.

Ich trage all diese Dinge mit Stolz und Liebe. Mir ist bewusst, dass nichts davon selbstverständlich ist. Lebensnotwendig? Keines Falls. Luxus? Ja! Aber einen, den ich mir hin und wieder gönne.

Ich sage gern: Ich trinke nicht, ich nehme keine Drogen, ich gehe kaum feiern und arbeite viel. Jeder braucht, oder hat zumindest so seine Laster. Mode ist meins. Doch eigentlich ist es traurig, dass ich mich gezwungen fühle, mich zu rechtfertigen. Und das ist auch der einzige wunde Punkt, den dieses Thema für mich hat. Das Unverständnis der Menschen. Die kleinen spitzen Kommentare, der belustigte Unterton. Die Vermutung, dass ich reiche Gönner habe, die mir solche Geschenke machen. Nein, der einzige Gönner bin ich. Und niemand muss mich oder meinen Konsum verstehen. Aber bitte tolerieren. Ja? Geht das? Das wäre schön.

Denn es ist ok, teure Taschen oder Schmuck zu mögen. Ich tue niemanden damit weh.

Das musste einmal gesagt werden.

Und noch ein letzter Gedankenanstoß: Ist es nicht ganz im Sinne der aktuell immer lauter werdenden Stimmen nach Nachhaltigkeit? Lieber weniger, aber bedachter kaufen? Lieber ein gutes Teil, statt zehn von H&M und Co?

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So. Und wer bis hierhin durchgehalten hat und vielleicht auch schon lange mit den Gedanken spielt in ein teureres Piece zu investieren, den gebe ich an dieser Stelle mal meine Checklist mit auf dem Weg. Ob als Anregung, Vergleich oder Tipp.

  • Würde mir das Teil auch gefallen, wenn es von einer ganz unbekannten Marke stammen würde? Denn zugegeben: Es ist verlockend, wenn auf einer Tasche oder sonstigen Accessoires die Logos bekannter Modehäuser prangen. Hierbei muss man sich versuchen klar zu machen: Hab ich mich in das Design oder den Namen verliebt?
  • Geduld: Wie schon erwähnt – ein teures Teil kauft man sich nicht aus einer Laune heraus. Mit meinem jüngsten Kauf (die Aigner Fiorentina in Größe S) liebäugle ich schon seit Januar. Also habe ich genau ein Jahr gewartet, um mir dieses Schätzchen zu kaufen. Der Grund? Ich hab mich immer noch nicht satt gesehen! Im Gegenteil. Und ich werde es auch nicht so schnell.
  • Auf Klassiker setzen: Diesen Tipp liest man sicherlich ÜBERALL, aber er ist so, so wichtig. Wenn ihr nicht gerade mit unfassbaren Reichtum gesegnet seid, ist es vielleicht nicht all zu klug in momentane It-Pieces zu investieren, die im schlimmsten Fall eine Haltbarkeit von höchstens einer Saison haben.
  • Nicht über seine Verhältnisse leben: Manche Leser werden vielleicht über meine sogenannten „Investment-Pieces“ lachen. Aber wie man sich sicherlich denken kann, sind Chanel, Gucci und Co (noch – wer weiß?) unerreichbar für mich. Aber gerade kleinere Käufe, wie Schmuck, oder Portmonees sind durchaus erschwinglich, vor allem Secondhand. Es gibt auch tolle Marken im mittleren Preissegment, wie Aigner, Furla oder Lagerfeld. Mit Taschen dieser Marken habe ich bereits gute Erfahrungen gemacht. Die Taschen sind allesamt aus hochwertigen Echtleder, sie sind super verarbeitet und die Designs sind ein Träumchen.
  • Der richtige Antrieb: Geht es ums Dazugehören? Um die Liebe zu schönen Designs? Horcht tief in euch hinein und findet den Grund, warum ihr etwas wollt und ob ihr aus den richtigen Antrieb heraus kauft.

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