Mehr ist mehr

Als ich anfing mich für Mode zu interessieren, konnte man noch mit einer schönen Tasche, auffälligem Schmuck oder einfach gut sitzender Kleidung punkten. Heutzutage braucht es schon mehr. Ich bin ein großer Streetstyle-Fan und durchforste seit meiner Jugend regelmäßig Pinterest und Co nach tollen Kombinationen, besonderen Details oder neuen Trendfarben. Was in letzter Zeit auffällt: Mehr ist mehr – was nicht unbedingt schlimm sein muss, auch bei meinen Stylings könnte man das oft denken. Doch ich meine keinen übermäßigen Schmuck, keine gewagten Farben oder Mustermix. Ich rede von ALLEM. Und zwar auf einmal. Alles, was derzeit IN ist, wird getragen. Zusammen. It-Bag zu auffälligen, brand-bestickten Teilen, großen Schmuck, Taillengürteln und Dad-Sneakern.

Doch wer soll das tragen?

Doch nicht das modebewusste Mädchen von nebenan.

Nach meiner Bildrecherche stelle ich mir die Frage: Ist normal weg vom Fenster? Muss es immer noch knalliger, noch außergewöhnlicher sein?

Willst du gelten, mach dich selten?

Selten-überladen?

Was ich mir wünsche: Tragbare Styles. Gut sitzende, qualitativ hochwertige Mode. Der gewisse Dreh soll nicht fehlen und von auffälligen Accessoires will und kann ich mich nicht verabschieden. Das meine ich auch gar nicht.

Ich frage mich nur, ob uns der gute Geschmack abhanden gekommen ist. Wir sind immer auf der Suche nach dem Besonderen, jeder will aus der Masse herausstechen. Und das ist durch Instagram und Co gar nicht so einfach.

Individuell, individueller, am individuellsten. Das gesunde Maß liegt irgendwo dazwischen. Doch wer spricht schon von der Mitte? Niemand mehr!

Und so schwappt dieser Anti-Normal-Trend schnell auch in andere Bereiche über. Zum Beispiel in Sachen Figur: Die großen Blogger sind nicht mehr die Mädchen von nebenan, die ihre Outfits unbedarft ins Internet stellen. Die Blogger von heute könnten direkt für die Modenschauen, bei denen sie in der Front Row sitzen, als Model arbeiten. Groß, dünn, schön. Oder man dreht den Spieß um und schlägt sein Lager in der Plus-Size-Schiene auf. Entweder oder. Nur noch so scheint es zu laufen. Oder könnt ihr mir auf Anhieb einen Influencer mit „Normalo“-Maßen 36-40 nennen?

Nein? Tja. Normalität ist eben scheinbar out. Somit wahrscheinlich auch dieses Outfit. Blue Jeans zu weißer Bluse. Dass die Tasche und mein neuer Schmuck das Ganze etwas auffrischen, geht wohl in heutigen Zeiten unter. Zu „normal“ ist der Look.

Doch so möchte ich (manchmal) sein. Und solche Styles wünsche ich mir mehr. Tragbar. Vielleicht auch normal, nichts weltbewegendes. Aber schön. Stimmig. Geschmackvoll. Tragbar für dich und mich.

Ich möchte die ausgefallenen Kombis natürlich nicht missen – versteht mich nicht falsch. Auch ich steche gern mal heraus und schaue mir die kreativen Ausbrüche der Designer und Fashionistas an. Doch nicht alles ist für den Alltag übernehmbar. Ich wünsche mir, dass wieder beides geht – dass wieder beides gezeigt und geliebt wird.

Denn mal ehrlich: Manchmal ist doch ein schwarzer Kaffee, ohne alles auch besser, als der Toffee Nut Latte von Starbucks, oder?

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Hose und Jacke – Levi’s

Oberteil – H&M

Schuhe – Puma

Leise

In letzter Zeit war ich sehr still – nicht nur auf dem Blog, sondern auch im Alltag. Zumindest kam es mir so vor. Ich neige dazu, mit meinem Umfeld über Sorgen und Ängste reden zu müssen. Ich versuche mich dabei an meine Familie und nahe Freunde zu halten, doch manchmal müssen auch vor anderen die Gedanken raus. Andere gehen in die Beichte, ich verplapper mich auf der Arbeit, in der Kaffeepause, in der Uni.

Das ist eine Angewohnheit, die nicht immer gut, doch reinigend ist. Vielleicht überfordere ich damit meine Mitmenschen, doch was bei anderen Antidepressiva sind, ist für mich mein Mitteilungsbedürfnis.

Ich mag andere damit verblüffen, aber oft öffnen sich meine Gesprächspartner dann selbst und man sieht: Die Welt ist nicht nur dunkel. Nicht nur man selbst hat Gewicht auf seinen Schultern lasten. Sondern auch die Anderen. Und das ist ok. Sehr ok sogar.

Ich weiß nicht wann oder ob ich überhaupt leiser geworden bin. Mir kommt es jedenfalls so vor. Vielleicht, weil meine Gedanken sich immer wieder in Kreisen drehen. Ich zermartere mir über die immer gleichen Dinge den Kopf. Vielleicht will ich die anderen damit nicht langweilen.

Oder ich schäme mich, weil ich meine Probleme nicht lösen kann.

Dabei ist es doch ok, wenn mal etwas nicht klappt.

Sehr ok sogar.

Im Inneren weiß ich das, aber so richtig verankern will sich diese Weisheit noch nicht.

Auf die Gefahr hin, dass andere mich für selbstüberzeugt oder gar arrogant halten mögen: In meinen Augen war ich immer die, bei der (scheinbar) alles klappt. Ich weiß um meine Baustellen und um mein Inneres. Doch nach außen hin funktionierte immer alles. Job, Uni, gute Noten, Hobbys, Sport. Ich bin die, die alles im Griff hat.

Und auf einmal war ich das nicht mehr.

In meinem Kopf. 

Ich komme mit manchen Dingen nicht zurecht, einige andere Sachen bleiben auf der Strecke. Kurz: Zurzeit fühle ich mich ausgelaugt. Ausgebrannt. Leise. Und eigentlich müsste ich wissen, dass das ok ist. Sehr ok sogar. „Ich bin ja keine Maschine“, um Tim Bendzko zu zitieren. Das kommt da oben schon an, in meiner Mitte aber nicht.

„Das Herz lässt sich nicht so leicht beeinflussen, der Kopf dagegen ist leicht zu überzeugen“, um auch „Frozen“ ins Spiel zu bringen.

Um mir selbst zu zeigen, dass man nicht immer auf der Überholspur sein muss, sondern auch mal am Seitenstreifen halten kann, schreibe ich euch diese Zeilen.

Und möchte wissen: Wie geht es euch? Ist bei euch immer blauer Himmel, oder zieht auch mal Nebel auf?

Lasst es mich wissen. Denn still sein ist doch nicht so unser Ding. Und funktionieren wie eine Maschine doch auch nicht, oder?


Zu diesen Alltags-Gedanken, hier ein Alltags-Outfit, dass ich in der letzten Zeit sehr gern getragen habe. Ein wenig sieht man meinem Blick und auch meinem Stil die derzeitige Gefühlswelt an, oder? Was meint ihr? Oft sind ja nicht nur unsere Augen, sondern auch unsere Kleidung Fenster der Seele.

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Shirt – H&M

Blazer – Mango

Jeans – Edited

Tasche – Topshop

Schuhe – Puma