Wellnessurlaub im Zillertal

Ich möchte Ruhe. Entspannung. Tief ein- und wieder ausatmen. Und wenn ich mal die Zeit dafür habe? Dann gelingt es mir nicht. Zum Verrücktwerden, oder? Ich habe im schönen Zillertal vielleicht nicht so viel geruht wie ich wollte, doch das machte die Tage nicht weniger wertvoll. Denn die Berge und ich? Das passt zusammen – wie Arsch auf Eimer, wie man so schön sagt. Das sieht man mir nicht an? Das überrascht? Ja wieso eigentlich? Beim Wandern habe ich ja keine Blüschen und Kleider an.

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Unser Hotel

Wellness meets Sport: Das „Hotel Held“ (click here) in Fügen ist für mich wie ein kleiner, wahr gewordener Traum. Nach sechsstündiger Autofahrt und einen kleinen Nickerchen, öffnete ich meine Augen und wähnte mich im Paradies. Klingt übertrieben? Vielleicht, aber für mich hat es sich in diesem Moment wirklich so angefühlt. Vielleicht lag es an der stressigen Zeit, die hinter mir liegt. An den vielen Hausarbeiten und Projekten, die ich mir gleichzeitig aufhalste. Doch plötzlich entspannten sich meine Schultern, mein Wirbelsturm im Kopf legte sich und in mir kam ein Gefühl tiefster Zufriedenheit auf. So muss es sich anfühlen, wenn man seine innere Balance wiedergefunden hat. Was für mich Berge sind, ist für andere vielleicht das Meeresrauschen. Wenn ich hoch zu den weiß getünschten Gipfeln schaue, kommen mir meine „Probleme“ auf einmal ganz, ganz klein und lächerlich vor. Was diese Berge schon für Stürme überlebt und Katastrophen gesehene haben. Nichts konnte sie erschüttern. Ich kann mir sehr gut vorstellen, was es mir für eine Kraft geben würde, wenn ich diesen Anblick jeden Tag genießen könnte.

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Im Hotel angekommen zog ich mir zuallererst meinen Badeanzug über und verabschiedete mich in den Wellnessbereich. In einen der drei Ruheräume (Heubetten-, Panorama-Zirben-, und Salzruheraum) machte ich es mir dick eingemummelt, mit Blick auf die Berge, einem guten Buch und köstlichen Tee gemütlich. Danach schwamm ich meine Runden (Bewegung muss jeden Tag sein) und ließ meinen ersten Wellnesstag in zwei der sieben Wohlfühlsaunen ausklingen. Mein Favorit war hierbei definitiv die Hüttensauna. In einen kleinen Holzhäuschen – was optisch an eine Almhütte hoch in den Bergen erinnerte – konnte man wirklich die Zeit vergessen. Wer mutig genug ist, kann anschließend in einen großen Holzbottich mit eiskaltem Wasser springen.

Ich spürte während unseres Urlaubs, wie wichtig Wellness und Me-Time doch ist. Nicht nur meinem Äußeren tat das ausgiebige, tägliche Wohlfühlprogramm gut, auch meine Seele fühlte sich gestreichelt. Mir ging es von Tag zu Tag besser.

Abends freute ich mich immer auf das 4-bis 5-Gänge-Menü. Jeden Tag konnten wir zwischen mehreren Gerichten wählen. Die Portionen waren klein, aber exquisit – ich habe lange nicht so gut gegessen.

Was tun im Zillertal?

Wandern – das ist meine erste Antwort. Wir liefen täglich bis zu 25.000 Schritte – zu Fuß erkundet sich die Welt einfach am besten. Als großer Fan der ZDF-Serie „Der Bergdoktor“ pilgerten wir zu den bekanntesten Drehorten in Going und Ellmau. So konnten wir den „Gruberhof“ und die Arztpraxis von innen besichtigen. Das Schöne daran war, dass wir viele Leute kennenlernten, die unsere Leidenschaft zu den Bergen teilten. Man kam mit so vielen herzlichen, interessanten Menschen ins Gespräch – es war, als gäbe es in den Bergen keine negativen Energien, keine schlechte Laune, keine Weltkatastrophen. Für ein paar Tage waren wir fern von allem Übel, das sich derzeit auf unserer Erde abspielt.

Am Mittwoch machten wir uns ganz früh am Morgen auf, um zum Harter Wasserfall zu wandern. Zwar musste man von unserem Hotel aus nur etwa eine Stunde Wanderweg einrechnen, aber der hatte es in sich! Der Weg ging 90% der Zeit steil bergauf – perfektes Po- und Beintraining also. Der Anblick, wenn man denn dann (endlich) am Ziel angekommen war, machte aber alle Anstrengung wieder gut.

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Unser Urlaubsort Fügen selbst lässt sich am besten mit „klein, aber fein“ beschreiben. Wir spazierten oft in das Städtchen und bewunderten die schönen Häuser, mit ihren prächtigen Balkonen und schönen Gärten. Im Zentrum selbst finden sich viele entzückende Cafés und liebevoll eingerichtete Boutiquen. Wie so oft im Urlaub, ließ ich mich modisch vom Stil der Einheimischen inspirieren. Die Zillertaler Damen sind traditionsbewusst, praktisch, aber dennoch sehr modisch. Ich habe viele moderne Interpretationen von Trachten gesehen, die auch im alltäglichen Leben stolz getragen wurden. Auch sah ich viele Boots mit verspielten Details, wie Perlen und Strass und zahlreiche dicke, überlange Mäntel und Parkas. Ich selbst fand für mich eine kürzere Fake-Fur-Jacke. Meine Schwester konnte ich damit zwar nicht überzeugen, mich selbst erinnerte sie jedoch schmunzelnd an die Damen in Kitzbühel.

Auch während unserer kleinen Shoppingtour kamen wir oft mit den verschiedensten Menschen ins Gespräch. Bei uns zuhause würde das nie passieren. Hier scheinen die Leute wirklich viel offener, freundlicher und ehrlich interessiert an ihren Mitmenschen zu sein. Das machte unseren Urlaub gleich noch einmal schöner, weil wir uns Tag für Tag von der Herzlichkeit der Leute anstecken ließen.

Um unseren Urlaub nicht so plötzlich enden zu lassen, legten wir auf unseren Heimweg noch einen Stopp am Tegernsee ein. Mit einen Latte Macchiato in der Hand erkundeten wir die Gegend und wieder einmal war ich einfach nur total baff, wie wunderschön ein Ort sein kann.

Fazit

Hier kann man durchatmen. Zu sich selbst finden. Die Batterien wieder aufladen. Diese Urlaubswoche fühlte sich wie eine ausgiebige Yoga-Session an. Ich begab mich (unbewusst) auf die Suche nach meiner inneren Balance und fand sie. Ich weiß nun, dass ich mich im Alltag nicht oft genug selbst auf den Zettel habe. Es wurde einfach Zeit, dass ich mich selbst mehr wahrnehme, mir Gutes tue, meine eigene Seele streichle. Das gelang mir hier im Zillertal überraschend gut – ich hatte viel Zeit, um die Gedanken kreisen zu lassen und war gezwungen, mir selbst auch mal genug zu sein. Und das tat gut – verdammt gut! Und ich weiß nun auch, dass es für mich nicht reicht, nur einmal im Jahr in den Bergen zu sein. In Gedanken plane ich schon den nächsten Kurzurlaub. Vielleicht über Silvester?