Stadtliebe – München Part I

Kann es vielleicht Liebe sein?

Semesterferien. Freie Zeit. Urlaub. Doch wohin? Natürlich denkt man immer höher und weiter. Wien und Paris im Vorjahr: Das muss zu überbieten sein. Doch am Ende wurde es München. Wie und warum? Lest selbst.

Mein erster Urlaub ohne Eltern führte mich als 17-Jährige mit zwei Freundinnen in die bayrische Hauptstadt. Noch heute denke ich gern an die damaligen sieben Tage zurück. Ich schloss München sofort ins Herz. Aufregendes Großstadtleben meets dörfliche Gemütlichkeit. Wo hat man das sonst? Und nach vier Jahren wuchs in mir der Wunsch, die Traumstadt meiner Jugend noch einmal zu besuchen.

Eigentlich zog es uns dieses Jahr nach Großbritannien. Amsterdam war auch eine Möglichkeit. Doch als wir last Minute keine Unterkunft fanden, die unseren Anforderungen entsprach, buchten wir ziemlich spontan eine Woche München. Ich glaubte, bei meinem Freund noch ein paar Zweifel zu spüren. Doch ich war davon überzeugt ihm zu zeigen, wie schön München wirklich ist. Aber ich muss gestehen: Auch von meiner Seite aus gab es Bedenken. Was mir als Teenie gefiel, muss mich heute nicht zwangsläufig vom Hocker hauen. Mittlerweile habe ich viel mehr von der Welt gesehen, meine Wünsche an eine Stadt haben sich geändert.

Und nun? Ich bin verliebt. Ich bin regelrecht vernarrt. Und möchte zurück. Ich will hier länger als nur eine Woche bleiben, möchte noch mehr Ecken erkunden und die Münchner Gemütlichkeit inhalieren. Es ist eine neue Stadtliebe.

Meine München-Highlights habe ich hier für Euch in zwei Posts zusammengefasst. Achtung: Es wird lang!

Die Klassiker

Olympiapark, Viktualienmarkt, Maximilianstraße oder die Wittelsbacher-Gruft. Am ersten Tag gaben auch wir uns wie typische Touristen und besuchten die klassischen Sehenswürdigkeiten. Auch außerhalb von München gingen uns die Klassiker nicht durch die Lappen. Denn so schön München auch ist: Die Gegend um die Großstadt herum hat mindestens genauso viel zu bieten.

Chiemsee

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Ich bin bekennender Fan vom Märchenkönig Ludwig. Als Kind habe ich fast schon für den Wittelsbacher geschwärmt und auch heute – 10 Jahre später – habe ich nach wie vor eine Schwäche für ihn. Deshalb zog es mich unbedingt zum Chiemsee. Denn dort, auf der Herreninsel, kann man Ludwigs letztes Projekt bewundern. Er wollte auf der größten der drei Chiemseeinseln seinem Idol – den Sonnenkönig Ludwig XIV – ein Denkmal setzten. Sein bescheidenes Ziel: Versaille nachbauen. Tom und ich besuchten letztes Jahr während unseres Paris-Aufenthaltes Versaille und tatsächlich hatten wir hier in Bayern das ein oder andere Dé­jà-vu. Etwa 20 Zimmer wurden fertiggestellt, die anderen Räume sind immer noch Rohbauten. Ich fand es faszinierend durch das Schloss zu spazieren – denn nur dafür wurde es gebaut. Ludwig hatte wohl nie vor hier tatsächlich zu wohnen. Nachts ließ er sich die über 1000 Kerzen im Spiegelsaal anzünden, um sein Werk zu bestaunen.

Die Herreninsel stielt ihrer kleinen Schwester, der Fraueninsel in Bekanntheit wohl oft die Show. Zu Unrecht, wie ich finde. Natürlich ist Herrenchiemsee beeindruckend und raubt einem schlicht den Atem, dagegen besticht Frauenchiemsee jedoch durch eine große, gemütliche, bescheidenere Schönheit. Die Insel wurde vor allem durch das dortige Kloster geprägt. Jährliche pilgern wohl Tausende zur Fraueninsel, um dort der Heiligen Irmgard zu gedenken.

Überall auf der Insel warten kleine, gemütliche Restaurants auf Besucher. Auch wir suchten uns ein schönes Plätzchen und schlemmten typisch bayrisch. So aß ich zum Beispiel den bisher besten Kaiserschmarrn meines Lebens. Was uns auffiel: Wir trafen auf einige Städter, die sich eine Auszeit auf der Fraueninsel gönnten.

Um zu den Inseln zu gelangen, müsst ihr ein Bootticket (9 Euro) lösen. Eine Führung durch das Schloss Herrenchiemsee kostet 10 Euro für Studenten. Das hört sich happig an, dafür dürft ihr aber noch das Kloster auf der Insel besichtigen.

Nachdem wir uns die Inseln angeschaut haben, ließen wir uns an einen der vielen Badestrände nieder und genossen den Rest des Tages.

Starnberger See

Luxus, Dekadenz, Promivillen und noch mehr Luxus. Das kam uns in den Sinn, als wir an den Starnberger See dachten. Doch ein Ausflug dorthin zeigte: Das allein wird der Gegend und den Orten um den See herum einfach nicht gerecht. Es stimmt schon: Zuerst fallen natürlich die wunderschönen Anwesen und die tollen Autos ins Auge. Wir hielten uns vor allem um Feldafing und Possenhofen auf. Possenhofen deshalb, weil ich meinem jüngeren Ich noch einen Besuch zu Sissis Kindheitsschloss schuldig war. Mittlerweile befinden sich im Anwesen Luxuswohnungen. Doch das war nicht unserer eigentliches Highlight. Besonders möchte ich Jedem einen Abstecher zur Roseninsel ans Herz legen. Die Überfahrt kostet nur 2 Euro. Die Insel ist wirklich sehr, sehr klein. Einem Pärchen, das mit uns übersetzte, entfuhr ein „Was, das war’s schon?!“ Gibt man der Insel jedoch eine Chance und besichtigt auch die kleine Villa, in der König Ludwig einst glückliche Kindheitstage verbrachte, so wird man begeistert sein. Man muss sich einfach nur darauf einlassen. Dann wird man auch den Zauber erkennen, den Sissi und ihr Cousin Ludwig verspürten. Beide trafen sich hier regelmäßig zu schwärmerischen Spaziergängen. Verpassten sie sich, so hinterließen sie den jeweils anderen kleine Gedichte, in denen sie sich gegenseitig „Adler“ und „Möwe“ nannten.

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Natürlich kann man im Starnberger See auch wundervoll baden. Nachdem wir uns ausgiebig gesonnt haben, liefen wir abends noch zur Votivkapelle, die anlässlich Ludwigs Tod erbaut wurde. Der Weg dortig führt vorbei an Schloss Berg und durch einen romantischen Wald. Und dann, ganz plötzlich, ragt ein riesiges Gebäude den Himmel empor. Die Votivkapelle ist ein mächtiger, ehrfürchtiger Bau, in dem sich die heutigen Wittelsbacher jährlich zu Ludwigs Todestag treffen. Jedoch fragte ich mich, ob das Gebäude Ludwig wohl gefallen hätte. Ich empfand es als etwas kühl und wenig romantisch. Jedoch wird einem doch ganz anders ums Herz, wenn man von der Terrasse vor der Kapelle auf das große, hölzerne Kreuz im See schaut. Genau dorthin, wo einst die Leiche des Märchenkönigs geborgen wurde.

Schloss Nymphenburg

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Traumhaft ist das erste Wort, das mir in den Sinn kommt, wenn ich an Schloss Nymphenburg denke. Ein Schloss, wie aus einem Märchen. Ich denke, ich brauche hier gar nicht viel zu erzählen. Schaut es Euch selbst einmal an! Besonders hat mir die Schönheitengalerien imponiert. Es ist faszinierend, sich die schönsten Frauen der damaligen zeit anzuschauen. Ich habe nur einen Kritikpunkt: Der Audioguide lässt etwas zu wünschen übrig. Wir verzichten nie auf einen Guide, doch leider erzählte der uns nicht mehr, als ohnehin schon auf den einzelnen Tafeln im Schloss stand. Ich hätte gern noch ein paar mehr Infos erfahren.

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Unsere Lieblinge

Maxvorstadt

Man sagt, die Maxvorstädter bleiben gern in ihrer Maxvorstadt. Wir können das absolut nachvollziehen! Das Viertel ist ein kleiner, abwechslungsreicher Kosmos, der an jeder Ecke etwas zu bieten hat. Meine persönlichen Highlights auf unserer Reise fanden wir alle hier. So zum Beispiel das Café Jasmin, in dem seit den 50er Jahren nichts mehr verändert wurde (dazu mehr im nächsten Blogpost).

Oder – für alle Melancholiker unter uns – der alte Nordfriedhof. Ihr habt es vielleicht schon erkannt, wenn ihr mich schon ein bisschen länger begleitet. Es ist ein Spleen von mir, dass ich egal wo wir sind, immer den Friedhöfen einen Besuch abstatten muss. Seit 1868 finden hier die Toten der Stadt ihre letzte Ruhe. Damals protestierten viele Maxvorstädter gegen das Vorhaben, vor ihre schicken Wohnungen einen Friedhof zu erbauen. Die Anwohner fürchteten um einen Wertverlust ihrer Wohngegend. Heute finden hier schon lange keine Begräbnisse mehr statt, während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gelände zu stark verwüstet. Ganze 62.000 Menschen fanden hier ihre letzte Ruhe, heute sind davon aber nur noch wenige Gräber erhalten. Auf dem Friedhof selbst herrscht  komischer Weise keine traurige Stimmung. Im Gegenteil: Alles wirkt friedlich, man möchte sich fast hinsetzen und ein wenig entspannen. Und das tun viele Münchner sogar. Ich muss schon sagen: Wir waren Anfangs etwas überrascht, als Jogger an uns vorbeirannten, Familien ihre Picknickdecke ausbreiteten, Frauen sich in Bikinis sonnten, oder Pärchen Hand in Hand durch den Park schlenderten. Der alte Nordfriedhof ist eben ein ganz besonderer Ort, den viele Autoren in ihren Büchern ein Denkmal setzten.

Ein absolutes Muss in der Maxvorstadt: Die Türkenstraße. Hier ist vielleicht nicht alles so piekfein, wie sonst in der Stadt, aber die zahlreiche Lokale und kleinen Läden versprühen einen ganz besonderen Charme, der sofort ein behagliches Gefühl hervorzaubert. Ein Café, das wir sehr empfehlen können:  Das Lokal „LOVEFOOD“ (click here) auf der Türkenstraße 69. Hier gibt es superleckere Bowles und viele mehr. Mich überzeugten vor allem die liebevoll selbstgemachten Smoothies und das zuckersüße Ambiente.

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Was uns kulinarisch noch so vom Hocker riss, erzähle ich Euch ein anderes Mal 🙂 Eins verrate ich aber noch: München – und hier mal wieder allem voran die Maxvorstadt – hat einiges in Sachen Secondhand-Shopping zu bieten. Ich habe wahre Schnäppchen gefunden und freue mich nach wie vor diebisch darüber! Wo wir diese diversen Schätze fanden, berichte ich Euch demnächst. Nur so viel: In meinem Besitz befindet sich nun ein Tommy Hilfiger Blazer, der ursprünglich 299 Euro gekostet hat. Was ich dafür hinlegte? Schlappe 30 Euro. Das Beste: Das Schmuckstück war ungetragen, sogar die Preisschilder baumelten noch daran.

Sport im Englischen Garten

Unser Urlaub war auch sportlich gesehen ein voller Erfolg. Dadurch, dass wir ein Fitnessstudio im Hotel hatten, motivierten wir uns abends oft noch zu einen kleinen Workout. Außerdem erkundeten wir die Stadt so gut wie nur zu Fuß. Unser Rekord: 35.000 Schritte an nur einen Tag. Mein persönliches, sportliches Highlight war jedoch das Joggen im englischen Garten. Ich weiß nicht, ob es an der herrlichen Umgebung lag, oder an den vielen anderen Sportlern, die mich motivierten, aber so schaffte ich jedes mal über 9 Kilometer. Das ist für mich ein persönlicher Rekord, da ich sonst in der Regel immer um die 6-7 Kilometer renne.

Fotos: Tom Herold (click here)

 

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