Das gute Leben

Kennt Ihr das? Ihr seid immer gewillt ein gutes Leben zu führen, euch zu verbessern, Optimierung hier, Optimierung da. Ich will an mir arbeiten, neues ausprobieren, was meinen Alltag vielleicht noch ein kleines bisschen besser macht. Offene Augen und Ohren überall, her mit den Ratschlägen. Doch am Ende des Tages frage ich mich: Was ist denn überhaupt dieses „gute Leben“?

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Ich denke über mein Leben nach und komme zu den Schluss, dass ich wirklich ein gutes Leben führe. Mir macht mein Studium und meine Arbeit großen Spaß, ich verdiene mein eigenes Geld, bereise schöne Orte, haben einen tollen Freund, eine mich liebende Familie und Freunde, tolle Hobbys. Kurzum: Mein Leben ist doch „gut“, oder?

Doch warum sieht das Leben der Anderen oft noch besser aus? Was machen sie anders?

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Das Gras im Nachbargarten ist immer grüner. Ich weiß schon. Aber trotzdem: Ein Kommilitone arbeitet noch viel härter als ich, verpasst keine einzige Vorlesung und schreibt dieses Semester noch mehr Klausuren. Nebenbei geht er jeden Tag ins Fitnessstudio und bereitet sich schon fleißig auf den Master vor. Außerdem ernährt er sich vegan und rümpft über meinen Coffee-to-Go nur die Nase.

Und ich? Ich bin einfach froh, wenn ich nach einen Arbeitstag nachhause komme und ein Buch lesen oder mit meinem Freund Netflix schauen kann. Doch andere gehen nach einen langen Tag noch feiern, um am nächsten Morgen um 6 Uhr joggen zu gehen.

Ist es das? Das „gute Leben“?

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Ich zum Beispiel, mag mein Leben. Aber ich sehe dennoch viele Kleinigkeiten, die mich über die Maßen ärgern und die ich gern ändern würde.

Da wäre zum Beispiel mein Blog: Ich liebe ihn heiß und innig, doch die Zeit kommt dafür schon lange viel zu kurz. Ich arbeite daran, produziere Fotos und überlege mir Texte. Doch am Ende lade ich wieder keinen Eintrag hoch, weil er mir nicht gut genug ist. Viele andere würden sagen: Ist doch kein Problem – die letzten Monate waren eben besonders stressig, ruhigere und produktivere Zeiten werden kommen. Doch ich will am liebsten IMMER produktiv sein. Doch irgendwie schaffe ich immer nur „entweder oder“. Ich hab meinen Alltag sehr optimiert. Und darauf kann ich doch eigentlich stolz sein. Ich mache fast täglich Sport, ich ernähre mich recht gesund, gönne mir jeden Abend etwas Me-Time und Wellness. Kurz: Ich versuche die Balance zwischen Stress und Entspannung sehr ausgewogen zu halten. Das gelingt natürlich in manchen Wochen (gerade am Ende des Semesters) auch mal weniger gut. Doch trotz meiner Bemühungen fehlt es mir hin und wieder einfach an Energie. Anderen mangelt es scheinbar nie daran und ich frage mich: Was ist Euer Geheimnis?

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Man spricht ja häufig von den sechs Säulen des Lebens. Ernährung, körperliche Fitness, Soziale Beziehungen, guter Schlaf, Bildung und finanzielle Unabhängigkeit. Das eine beeinflusst das andere. Leidet der Schlaf, so leidet höchst wahrscheinlich auch meine Ernährung.

Ich muss zugeben: Auf der einen Seite denke ich: Logisch! Das ist so. Auf der anderen Seite klingt mir das alles zu abstrakt. So leicht kann es ja wirklich nicht sein, oder?

Ich muss aber schon zugeben, dass ich mich, seitdem ich regelmäßig Sport mache, definitiv wohler und vor allem positiver fühle. Ich habe nie „nichts“ gemacht. Heißt: Ich hab immer etwas für meine Fitness getan. Halt nur manchmal weniger, mal mehr intensiv. Seit 45 Tagen sportel ich nun täglich 30 Minuten. Und was habe ich bemerkt? Ich bin tatsächlich ausgeglichener, zufriedener und energievoller. Vielleicht kann es ja wirklich so einfach sein und die eine Säule hat Auswirkungen auf die andere. Ernährt man sich besser, schläft man auch ruhiger. Demnach ist man netter zu seinen Mitmenschen und baut leichter Freundschaften auf. Und so weiter, und so weiter.

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Bleibt nur die Frage: Warum beschäftigen wir uns mit solchen Dingen?

Ich finde, die Suche nach Zufriedenheit und nach dem Weg, genau das zu erreichen, sollte selbstverständlich sein. Selbstoptimierung klingt in den heutigen Zeiten immer etwas negativ. Doch ich finde nichts verwerflich daran, sich selbst immer verbessern zu wollen. Nur sollte dies nicht für die Anderen geschehen, sondern nur für einen selbst. Und das ist wahrscheinlich die Schwierigkeit. Mache ich etwas für mich, oder um vor anderen gut dazustehen? Ich denke, dass beide Beweggründe oft gar nicht so leicht auseinanderzuhalten sind.

Aber vielleicht ist dieser Unterschied auch gar nicht so wichtig. Vielleicht ist es ja egal, was uns dazu bewegt, uns zu verbessern und bewusster zu leben. Hauptsache wir sind glücklich und zufrieden. Denn was kann schon so schlimm daran sein, wenn man darauf achtet, dass alles bei einem im grünen Bereich ist? Michael Buchinger fast es für mich gut zusammen: Eigentlich sind wir Sims-Figuren: Da achtet man auch nur darauf, dass alles „grün“, also in Balance ist. Und erreicht man das, so geht es dem Sims gut.

Und uns eben auch.