Ich wär so gern wie Du – Wie die Influencer-Szene meine Wahrnehmung von Schönheit manipuliert

Pinterest, Instagram und seit ein paar Tagen Vero: Ich scrolle durch den Feed und sehe ein schönes Mädchen nach dem anderen. Schlank, fast schon filigran, lange Haare, volle Lippen, auffallende Augenbrauen. Das ist Schönheit. So will ich sein.

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Am nächsten Morgen schaue ich in den Spiegel. Ich creme mich ein, bürste mir die Haare und finde mich schön. Ich drehe mich, lege mir die Haare über die Schulter und bin zufrieden. Doch dann fallen mir die ganzen, makellosen Bilder wieder ein. „Nein, ich kann gar nicht schön sein“, sage ich mir. Denn ich sehe nicht so aus, wie die Mädchen auf den Fotos, die ich Tag für Tag konsumiere, meine Lippen sind weder besonders voll, noch sind meine Augenbrauen markant. Meine Figur ist höchstens schlang, aber nicht dünn. Meine Nase ist nicht stupsig und statt 1.80 m messe ich nur 1.72m. Dann kann ich doch gar nicht schön sein, oder?

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Ich muss zugeben: Das klingt merkwürdig, wenn ich mir meine Zeilen noch einmal durchlese. Aber ich würde so weit gehen und behaupten, dass es vielen anderen Frauen und Mädchen da draußen genauso geht. Das Schönheitsideal, was derzeit immer und einfach überall gezeigt wird, ist so eindeutig und festgeschrieben, dass ich alles, was nur annähernd davon abweicht, nicht mehr als schön bezeichnen kann. Und das ist auch der Grund, warum junge Studentinnen während einer Freistunde schnell zum Doktor rennen und sich die Lippen aufspritzen lassen. Es ist ja nur ein kleiner Eingriff. Tut kaum weh, kostet auch nicht mehr viel. Andere greifen zu Permanent-Make-Up, damit die Augenbrauen auch immer auf den Punkt geschwungen sind. Und Schulmädchen schminken sich wie die Kardashians. Punkt 7:30 sitzen sie mit künstlichen Wimpern, Bronzer und Lidschatten in den Schulbänken.

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In der Stadt, auf dem Weg zur Arbeit laufen zwei junge Frauen an mir vorbei. Vielleicht 25. Eine kurvig, die andere zart, fast formlos. Die dünnere entspricht eindeutig mehr den Schönheitsideal, aber gefühlt jeder schaut ihrer kurvigen Freundin hinterher. Beide sind schön. Beide haben Geschmack. Ich erwische mich bei dem Gedanken, dass das Mädchen mit den schönen Kurven umwerfend aussieht, ich mich aber, wenn ich mich entscheiden müsste, lieber die Figur der Dünneren hätte. Nicht weil ich sie schöner finde, sondern, weil es dem gängigen Geschmack mehr entspricht. Spätestens da müsste mir auffallen: Hier läuft etwas schief.

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Überall reden Menschen über Body Positivity. Jeder findet es toll, gibt einen Daumen nach oben, aber kaum jemand fühlt es. Natürlich: Jeder kann schön sein: Egal ob dünn, dick, klein, groß, athletisch. Für mich jedoch klingt das alles wie ein große Lüge. Vor allem in Zeiten, in denen Frauen mit Kleidergröße 38 als Curvy Models gelten. Schaut man sich die erfolgreichsten Influencer an, so sieht man, dass durch die Bank weg alle, sehr, sehr schmal sind. Von den vollen Lippen, dem wallenden Haar und den gleichen Taschen, rede ich hier schon gar nicht mehr.

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Doch dieses Denken ist nicht normal, oder? Wurden wir in der Geschichte jemals so sehr in ein Schönheitsideal gelenkt, wie heutzutage? Und waren die Anforderungen an Schönheit jemals so schwer zu erreichen?

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Wenn wir davon reden, dass alle Körper gleich schön sind, warum sehe ich dann in den Medien immer nur wieder den selben Typ? Ich glaube, die Gesellschaft und vor allem die Frauen wünschen sich einen Wandel in Sachen Schönheit. Aber die Wahrheit ist: Die Welt ist noch nicht so weit. Ich würde es mir wünschen, dass demnächst wirklich viele verschiedene Typen als schön bezeichnet und auch so dargestellt werden können. Und dieser Wille ist auch definitiv bei Anderen da. Und das ist immerhin schon ein Anfang. Ein Schritt in die richtige Richtung. Aber das ist es eben: Wir sind im ersten Schritt stecken geblieben. Jetzt müssen wir endlich weitermachen. 

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Jeans – Orsay

Bluse und Bauchtasche – Primark

Schuhe – Deichmann

Uhr – Diesel

Nagellack – Sally Hansen

Fotos: Tom Herold ( click here )

4 Gedanken zu “Ich wär so gern wie Du – Wie die Influencer-Szene meine Wahrnehmung von Schönheit manipuliert

  1. simplicityindifficulty schreibt:

    Ich finde deinen Beitrag sehr gut! 🙂

    Ich denke allerdings schon, dass die Welt mittlerweile im Wandel ist was in Sachen „Schönheit bei Frauen“ anbelangt. Meiner Meinung nach existiert dieser Schönheitshype, wo alle rank und schlank sein müssen, nur in den sozialen Medien aber in der Realität – zumindest in meinem Umfeld, Alltag bzw. was ich von der Welt schon so gesehen habe – sehe ich nur vereinzelte Personen, die dieses Ideal von den sozialen Medien in die Realität meinen übertragen zu müssen.
    So wie du sehe ich da aber ebenfalls Verbesserungsbedarf und wir müssen auf jeden Fall diesen Schritt in diese Richtung weiter gehen!

    Liebe Grüße! 🙂

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    • The Italian Bazaar schreibt:

      Danke für Deinen Kommentar 🙂 Tatsächlich ist mir in den letzten Wochen auch viel Positives aufgefallen! ( vielleicht sollte ich mal wieder ein Update zu diesem Eintrag schreiben). Immer mehr Leute aus meinem Bekanntenkreis zeigen mehr Liebe zu ihrem Körper und pfeifen auf unrealistische Ideale.

      Liebe Grüße, Isabel 🙂

      Gefällt 1 Person

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