Kälte oder Wärme?

„Du musst härter werden.“

„Sei nicht so sensibel.“

„Vergiss es. Schieb die Schublade wieder zu und mach weiter.“

„Es gibt schlimmeres.“ 

„Du musst ein dickeres Fell bekommen.“

Ich war noch nie sonderlich taff oder hart im Nehmen. Ich war eher immer die Sensible, die viel grübelt und die sich die Welt manchmal schwerer macht, als sie ist.

Ich war noch nie immun gegen Gemeinheiten und Ungerechtigkeiten. Dabei ist unsere Welt voll davon.

Ich habe immer die bewundert, die, wenn sie stolperten, oder fies behandelt wurden, einfach stolz ihren Kopf hoben und weitermachten. Die das Geschehene einfach auslöschen konnten, als wäre nie etwas gewesen.

„Ich muss damals unglücklich gewesen sein, doch ich erinnere mich nicht. Alles Unschöne vergesse ich. – Karl Lagerfeld-

Müssen diese Menschen nicht unglaublich glücklich sein? Wie geschaffen für unsere Welt. Denn jeder wird mal unfair behandelt. Es wird immer Menschen geben, die ihre Wut an anderen auslassen müssen. Die Kunst ist, all das einfach wegzustecken und weiterzumachen. Stehaufmännchen.

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Doch irgendwie war das noch nie meine Stärke. Ich zerbreche mir den Kopf, frage mich, warum der Andere so ungerecht, ja vielleicht sogar verletzend war. Das hält mich oft zurück, ich gehe auf der immer gleichen Stelle. Komme keinen Zentimeter voran.

Doch so war ich schon immer und ich frage mich: Wird sich das irgendwann ändern?

„Im Arbeitsleben musst du hart im Nehmen sein. Dickes Fell. Selbstbewusst. Du musst Dich wehren können.“ 

Sätze, die ich oft gesagt bekomme. Und ab und zu denke ich, dass ich mich „verbessere“. Doch dann kommt wieder ein fieser Satz, der wahrscheinlich gar nicht so gemeint war, mich aber mit voller Wucht trifft. Und dann sitze ich da wieder. Beiße die Zähne zusammen. Aber vergessen kann ich nicht. Und wenn ich auch am Tag keinen Gedanken mehr daran verschwende, so holt mich das Karussell der Grübeleien Abends oder Nachts ein.

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Doch warum muss man kalt werden, um voranzukommen. Warum ist Sensibilität und Einfühlungsvermögen heute nichts mehr wert? Würden wir nicht alle viel weiter kommen, wenn wir auf unsere Worte und Taten achten würden? Niemand wird mehr umsonst verunsichert. Es hängt kein Knistern mehr in der Luft. Man verkrampft nicht mehr, kann tatsächlich mal entspannt sein.

Wann ist uns die Empathie abhanden gekommen? 

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Ich möchte stark und selbstsicher werden. Vielleicht nicht mehr ganz so verletzlich. Aber ich möchte nicht mein Wesen ändern müssen, um in einer Welt zu bestehen, die aus Eiseskälte besteht.

Worte haben Macht, aber man muss kein Künstler sein, um mit ihnen umgehen zu können. Vielleicht nimmt man sich lieber ein, zwei Sekunden Zeit, um seine Formulierungen abzuwägen, statt das Feuer vorschnell zu eröffnen. Am Ende steht man da und bereut, was man den anderen an den Kopf geworfen hat. Denn eigentlich war es nicht so gemeint. Es war unfair und falsch. Doch der Stolz verbietet ein „Entschuldigung“.

Am Ende des Tages sitze ich da und frage mich: Mit was wird man erfolgreicher? Mit Abgebrühtheit oder mit Liebe. Und vor allem: Was macht uns zu glücklicheren Menschen?

Kälte oder Wärme?

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Lederjacke – TK Maxx

Pullover – Noisy May

Spitzentop – Vero Moda

Jeans – Cheap Monday

Boots – Deichmann

Fotos: Tom Herold ( click here )

2 Gedanken zu “Kälte oder Wärme?

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