Kolumne: Gedanken über…Das Ticken der Uhr

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in der Uni, versuche die Zeit zwischen zwei Studien zu füllen und nippe an meiner heißen Schokolade. Ich blicke auf die Zahlen, die mir in der rechten Seite meines Computers angezeigt werden. 17.10.2017. Es ist Oktober. Nicht nur das. Nächste Woche ist es schon Ende Oktober. Und irgendwie kann ich das nicht fassen. Ich dachte, ich sage diese Worte erst, wenn ich über 30 bin. Aber die Zeit rennt. Sie fliegt vorbei. War es nicht gerade noch Sommer? Habe ich nicht eben die letzten Klausuren hinter mich gebracht? Schrieb ich nicht gestern noch in mein Tagebuch, was ich mir für das Jahr 2017 wünsche? Das Jahr neigt sich dem Ende und irgendwie fühle ich mich noch nicht bereit genug. Meine Vorsätze sind gar nicht, oder nur halb erfüllt. Ich habe noch keine Pläne für Weihnachtsgeschenke oder Silvester-Locations und in das neue Semester muss ich auch erst noch so richtig reinrutschen. Aber ich kann mir nichts vormachen. Ich höre das Ticken. Die Zeit rennt.

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Noch in der Schulzeit kam mir ein Jahr unendlich lang vor. Ich zählte die Tage bis zu den Ferien und freute mich, endlich noch eine Stufe auf der Leiter des Lebens erklommen zu haben. Auch jetzt weiß ich, dass ich noch blutjung, naiv und unerfahren bin. Aber manchmal packen mich Zweifel. Gleichaltrige sammeln ein Praktikum nach dem anderen in ihrem Lebenslauf, ziehen Seminare und Vorlesungen vor, um vielleicht sogar noch ein Stückchen schneller zu sein, als andere. Auch ich mache das. Aber mittlerweile frage ich mich: Muss das sein? Ist das richtig?

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Als ich jemandem mein Herz ausschüttete, blickte er mich an und sagte: „Ihr jungen Leute macht euch immer und über alles zu viel Sorgen.“ Stimmt das? Ich denke, zumindest auf mich trifft das zu. Dieser Mann hat ins Schwarze getroffen.

Zwei Vorlesungen vorgezogen. Aber wäre nicht vielleicht noch eine dritte möglich gewesen? Sieben Klausuren und vier Hausarbeiten in einem Semester. Das schaffe ich, eigentlich wünsche ich mir aber eine Pause. Doch aufschieben kommt nicht in Frage.

Eines meiner größten Vorsätze für das Jahr 2017 war: Entspanne dich! Finde Raum für Auszeiten. Werde lockerer und ruhiger.

Tatsächlich: Ich wünsche mir mehr Auszeiten. Uni, arbeiten, Freunde und Familie, Musikschule, andere Arbeit und ich. In einer Woche. Und die ersten Adventskalender hängen auch schon in den Läden. Dabei fällt mir ein, dass ich Sport machen möchte, mich gesund ernähren soll, Geschenke planen und mich dann auch noch AUSRUHEN muss. Schwer oder unmöglich?

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Ich bewundere tiefenentspannte Menschen. In sich ruhend. Sich nicht mit anderen vergleichen. Ich will mich auch nur auf mich konzentrieren und nicht dauernd kontrollieren, wie schnell die anderen sind. Ich will gern alles nach meinen Kräften schaffen.

Manchmal frage ich mich, ob ich das alles mache, weil ich es so will, oder ob ich mir nur etwas vormache. Will ich immer schneller und besser sein, oder mache ich es aus dem Gefühl heraus, dass es mittlerweile von uns jungen Leuten verlangt wird?

Muss denn wirklich jede Chance ergriffen werden? Oder ist es auch mal ok, etwas zu verpassen?

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Ich möchte gelassener werden. Das ist mein großes Ziel. Eigentlich ein Ziel mit Deadline: Bis 2018 wollte ich ruhiger werden. Aber reicht ein Jahr dafür aus? Oder ist es vielmehr eine Lebensaufgabe? Kann ich riesige Sprünge machen, oder reicht es auch, kleine Brötchen zu backen?

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Ich erlaube mir Zeit. Und vielleicht ist das der richtige Anfang. Zeit um Gelassenheit zu finden. Ich kann nicht von mir verlangen, innerhalb eines Jahres tiefenentspannt zu werden. Im Gegenteil: Dieses Vorhaben spiegelt mein jetziges Ich wieder. Alles muss so schnell wie möglich und so perfekt wie möglich erreicht werden. Aber so geht es nun mal nicht. Eine Deadline bedeutet den Tod für meine Ruhe. Ich brauche Zeit. Auch, wenn ich das Ticken höre. Vielleicht kann ich es das ein oder andere Mal ausblenden. Und genießen.

Natürlich: Es ist schon Herbst, das Jahr ist alt. Aber statt mich über unerreichte Ziele zu ärgern, freue ich mich über bunte Blätter, frühzeitige Lebkuchen, heiße Milch mit Honig und Geschenkeshoppen.

Das ist mein Anfang. Mein kleiner, feiner Anfang. Genießen lernen. Ganz vorsichtig.

Denn ich bin doch ein Winterkind.

Wäre doch viel zu schade, mir diese Zeit zu vermiesen.

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Pullover – Olymp & Hades

Hose, Mantel – H&M

Ohrringe- C&A

2 Gedanken zu “Kolumne: Gedanken über…Das Ticken der Uhr

  1. LinnisLeben schreibt:

    Hallo Liebes,
    also je älter ich werde, umso mehr empfinde ich die Zeit als Druckmittel. Ich hatte mal eine Patientin, die sagt zu mir „Linda, im Kindesalter vergehen die Tage schnell, in deinem Alter die Monate und meinem Alter die Jahre“. Und sie hat recht. Jeder hat eine andere Empfindung, aber das Alter spielt oft eine große Rolle!

    P.S.: Du sieht fantastisch aus!

    Liebst Linni
    http://www.linnisleben.de

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    • The Italian Bazaar schreibt:

      Hallo Linni,
      Das ist so gut, was deine Patientin gesagt hat! Genauso ist es! Und irgendwie hab ich das Gefühl, dass heute schon auf uns sehr junge Menschen so ein Druck ausgesetzt wird, obwohl wir doch eigentlich „entspannter“ sein können :/

      Danke für das Kompliment :*

      Liebe Grüße,
      Isabel

      Gefällt 1 Person

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