Paris Part 6 – Highlights

Ich sitze gerade auf dem Sofa, neben mir eine dampfende, heiße Tasse Tee, ein Buch, die Tageszeitung noch aufgeschlagen. Ich blicke aus dem Fenster und sehe einen grauen Himmel, Regentropfen an der Fensterscheibe, bunte Blätter auf den Straßen. Wann ist das passiert? Wann hat uns der Sommer verlassen? War es nicht gerade noch so warm in Paris? Sind wir nicht vor noch einer Woche kurzärmelig, mit Sonnenbrille durch die Straßen geschlendert?

IMG_4416[426]

Tatsächlich. Eine Woche ist es nun schon wieder her. Es fühlt sich nicht so an. Gerade noch im Appartement aufgewacht, der Blick hinaus auf die Dächer Paris‘ und nun wieder in der Heimat. Fast ist es so, als wäre ich aus einen schönen Traum erwacht. Hier gefällt es mir auch, ohne Zweifel, aber Paris ist wie eine Idealwelt. Eine Wundertüte – an jeder Ecke trifft man auf neue Schönheit. Es war, als spazierten wir jeden Tag durch die Kulissen des Filmes „Midnight in Paris“. Überall Künstler, Romantik, Nostalgie.

Ich habe Euch rückblickend unsere Higlights zusammengefasst. Das war alles andere als einfach: Das Café de Flore, Montmatre, der Jardin des Tuileries, Coco Chanels Lieblingscafé Angelina. Es gab jeden Tag neue Herzensplätze. Dennoch waren da auch Dinge, die uns kurz den Atem raubten, über die wir lange nachdachten, die uns prägten. Hier sind sie:

IMG_4421[422]

Shakespeare and Company

IMG_4885[922]

Ich träume schon ewig von Shakespeare and Company. Vor zwei Jahren war ich der Buchhandlung schon ganz nah. Ich bewunderte Notre Dame, dabei befand sich gegenüber etwas noch viel schöneres. Ich wusste es nur nicht.

Doch dieses Jahr spazierten wir ganz bewusst durch das 5. Pariser Arrondissement. Und als Tom mir sagte, dass wir da sind, konnte ich es fast nicht glauben.

Hier herrschte solch eine knisternde Energie! Trotz, dass die Menschen alle schweigend in ihren Bücher versunken waren, konnte man ihre Fantasie, ihre Kreativität und Leidenschaft spüren.

Innen sah man die Wände vor lauter Büchern nicht mehr. Ich kam aus dem Staunen kaum heraus. Eine Etage über uns spielte jemand Klavier, in einer Ecke lag die Hauskatze, ausgelegene Betten deuteten an, wo früher Hemingway, Fitzgerald und Ginsberg gelegen hatten.

Wir kamen noch ein weiteres Mal ins Shakespeare and Company. Dieses Mal hinterließen wir dem Geschäft eine kleine Nachricht und ich kaufte mir ein Andenken. Tom kletterte die hohen Bücherwende hinauf, um mir das Objekt meiner Begierde zu holen. Anne of Green Gables. Meine ewige Lieblingsgeschichte. Denn gute Bücher enden nicht auf der letzten Seite. Sie begleiten dich ein ganzes Leben.

IMG_4399IMG_4419[425]

Versailles

Achtung: Der Weg nach Versailles ist etwas umständlich. Und weit. Aber es lohnt sich. Vor allem, wenn man unter 26 ist – denn dann ist der Eintritt frei! Aber besucht das Schloss am besten früh am Morgen oder ab 15 Uhr, dann sind nicht so viele Massen vor Ort.

Und glaubt mir, es sind Massen. Trotz einer langen Schlange vorm Eingang, ging es jedoch relativ schnell vorwärts, aber im Schloss heißt es dann wieder anstehen. Nämlich um in die nächsten Zimmer zu gelangen.

Doch es lohnt sich. Ich habe in letzter Zeit sehr viel über die französische Revolution gelesen und es war sehr emotional, als wir durch die Gemächer Marie Antoinettes liefen. Ich konnte mir genau vorstellen, wie die Fischweiber von Paris Versailles gestürmt haben, wie verzweifelt die Königin gewesen sein muss, welche Sorgen sie um ihre Kinder hatte.

Dennoch hätte ich mir Versailles tatsächlich noch prunkvoller, noch größer vorgestellt. Ich besuchte vor ein paar Jahren Schloss Herrenchiemsee. Der nachgebildete Spiegelsaal dort war schimmernder und riesiger als hier in Versailles. Durch das Schloss ist man schnell durchgelaufen. Aber da ist noch etwas. Der riesige Park. Und der macht dem Sonnenkönig wirklich alle Ehre. Damals wurde der gesamte Hofstaat kutschiert, um in einen Teil des Gartens zu gelangen. Und auch heute noch kann man Stunden lustwandeln. Doch bringt euch gutes Schuhwerk und Blasenpflaster mit.

IMG_4886[921]

Hotel Costes

An unserem letzten Tag gönnten wir uns etwas ganz besonderes. Unsere Vermieterin Marie empfahl uns einen Kaffee im Hotel Costes. Der Eingang befindet sich etwas versteckt auf der Rue de Rivoli. Als wir die Räumlichkeiten betraten, blieb mir erst einmal der Mund offen stehen. Die Kellnerinnen sahen aus wie Topmodels. Sie trugen keine Uniform, sondern die neueste Mode. Kostspielige Taschen, beeindruckende Kleider, hohe Schuhe. An den Wänden hingen wunderschöne Gemälde, es gab gemütliche Sitzecken mit verzierten Sesseln und einen traumhaften Innenhof. Die Gäste begrüßten sich mit Küsschen, trugen Chanel, Hermés, Yves Saint Laurent. Und wir mittendrin.

Ich gebe zu: Ich fühlte mich etwas unwohl. Ich trug Zara statt Dior, war kaum geschminkt. In jeder Ecke vermutete ich einen Politiker oder zumindest einen Schauspieler.

Trotz meiner Unsicherheit, war der Besuch im Hotel Costes ein einmaliges Ereignis, von dem ich lange zehren werde. Und trotz der Exklusivität sind die Preise absolut in Ordnung. Ich trank eine typische Pariser heiße Schokolade, Tom einen Kaffee. Zu unseren Getränken wurde uns Gebäck serviert.

Also: Traut Euch! Hier beißt niemand! Besucht das Hotel Costes bei Eurem nächsten Paris-Aufenthalt.

Hotel Coste

Katakomben

Stopp! Hier ist das Reich des Todes!

130 Stufen hinunter in die Welt der Toten. 30 Meter unter der Erdoberfläche. Es ist kalt, ich bin froh meinen Mantel mitgebracht zu haben. Noch reden alle Menschen, plaudern, stupsen sich an, sind unaufmerksam. Uns wird etwas über Steinbrüche erzählt, nicht besonders interessant. Die Gänge sind eng, die Luft steht, doch noch gibt es nichts weiter zu sehen. Ich werde dennoch ängstlich und stelle mir vor, was passiert, wenn ich die Gruppe verliere. Wenn ich in diesem kilometergroßen Labyrinth allein sein würde. Eine schwarze Linie an der Decke würde uns im Notfall den Weg zeigen. Doch was ist, wenn die Lichter ausgehen?

Plötzlich wird es still. Die Besucher reden nicht mehr. Alle schauen betreten auf ein Schild. Stopp! Sie verlassen jetzt die Welt der Lebenden. Hier ist das Reich des Todes! 

Und da sind sie: Schädel, Hüftknochen, Rippen. Alles fein säuberlich aufeinander geschichtet. Mal wurden die Köpfe als Herz drapiert, mal als Kreuz oder gar als Blumen.

Zu Beginn ist mir mulmig zumute. Ich presse die Arme an meinen Oberkörper, versuche kaum zu atmen. Da sind Löcher in Schädeln. Einschusslöcher? Kinderknochen, weit aufgerissene Münder. Sind das die Überbleibsel von Madame Pompadour? Von Robespierre? Ich fühle mich bedrückt und kann irgendwann nicht mehr hinschauen. Kilometer geht es so weiter. Knochen Knochen Knochen. Das ist es was übrig geblieben ist. Von sechs Millionen Menschen. 6 Millionen.

Ihr müsst auch hier Zeit mitbringen. Die Warteschlange ist lang. Wir mussten eine Stunde anstehen, aber das, was auf einem wartet, ist es wert.

Nehmt unbedingt den Audioguide! Man hört Flüstern, den Todesmarsch, Schreien. Man kann sich die Qualen der französischen Revolution genau vorstellen. Großartig, aber auch merkwürdig.

IMG_4977

Montmatre

Nach den Katakomben brauchte ich etwas buntes, lebensfrohes. Ich war noch eine lange Zeit bedrückt, dachte viel über die armen Seelen da unten nach. Wenn euch das Thema interessiert, dann lest unbedingt „Das Blut der Lilien“. Ein toller Roman!

Montmatre stand eigentlich gar nicht auf unserer Liste. Man erzählte uns von Taschendieben, unzähligen Touristen und Betrügern. Dennoch erklommen wir den Berg zu Sacré-Cœur. Und ich kann euch nur eins sagen: Es ist überwältigend.

Die Sonne ging schon unter, die vielen Lichter gingen an. Und wir standen einfach nur da und blickten über die Dächer Paris‘. Ein Anblick, den ich nie vergessen werde.

Und auch Montmatre war ganz anders, als man es uns erzählte. Die Touristen hielten sich in Maßen, stattdessen trafen wir auf viele Straßenkünstler, Sänger und unzählige, zuckersüße Restaurants. Fast vergisst man, dass man noch in Paris ist. Die Häuser erinnerten uns eher an das viktorianische England.

Hier konnten wir zur Ruhe kommen, die Seele baumeln lassen. Von weiter her drang Ed Sheerans „Galway Girl“ zu uns, neben uns zeichnete ein älterer Herr an seinem Stillleben.

IMG_4531IMG_4426[417]

Bluse – Olymp & Hades

Hose – Calzedonia

Kette – Tiffany & Co

Schuhe – Nike

Fotos: Tom Herold ( click here )

4 Gedanken zu “Paris Part 6 – Highlights

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s