Unter mir das Meer

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Es ist schon merkwürdig auf so einen Schiff. Ich sitze in meinem bequemen Sessel. Schneidersitz. Und blicke auf das Wasser. Wasser ist nicht mein Element. Jetskifahren, Wildwasser-Rafting. Alles schon probiert und immer wieder Angst.

Als ich klein war, lernte ich relativ spät schwimmen. Meine Schwester zog mich eines Tages ins tiefe Wasser, ließ mich allein. Ich strampelte, schluckte Wasser, schrie und machte irgendwann meine ersten Schwimmzüge. Selbsterhaltungstrieb. Kurz bevor alles vorbei ist, wache ich auf. Versammle all die Kraft in mir und lege los. Befreie mich aus den Schlingen. Augen zu und durch. Egal wie schwer es wird. Das war schon immer meine Philosophie.

Und nun sitze ich hier, in meinem bequemen Sessel. Schneidersitz. Auf einen Schiff. Unter mir das Meer.

Der Gedanke an Wasser macht mir Angst. Dunkles Wasser, Kilometer tief. Ich weiß nicht was sich unter mir befindet. Ein Wrack? Meeresungeheuer? Ein Piratenschatz? Oder vielleicht…einfach gar nichts.

Ich spüre kaum ein Schaukeln, das Schiff scheint in der Luft zu schweben. Es fühlt sich nicht so an, als würde dieses tonnenschwere Ungetüm das Wasser spalten. Es transportiert uns 2000 Menschen ganz behutsam. Ganz langsam. Und doch unerwartet schnell.

Wasser machte mir zwar schon immer Angst, es faszinierte mich gleichzeitig aber auch seit klein an. Wie alles, was gefährlich ist. Mein Lieblingsfilm? Titanic. Ich brauch nicht nachzudenken. Es gab Zeiten, nein Jahre, da sah ich Titanic mindestens einmal im Monat. Noch heute kann ich nahezu jede Zeile mitsprechen. Und das ist nicht übertrieben. Vor zwei Jahren befand ich mich schon einmal auf einen Schiff. Kurz nach dem Abi. Das Ziel? Paris, Brügge, Amsterdam und Southampton. Ich lief mit meiner Mama durch die alte Hafenstadt und stand plötzlich vor dem Titanicmuseum. Der Weg hinein war übersät mit alten Fotos. Die Wände auch. Überall Gesichter. Überall lebhafte Augen. Kinder. Babys. Die vielen Stimmen vermischten sich in meinen Kopf, die Eindrücke überwältigten mich. Eine Namenskette, Amy, geborgen vom Meeresboden. Ein Schuh, Besteck, eine Tanzkarte. Und immer wieder die Gesichter. Augen von Toten.

Ich hatte schon immer Angst vorm Meer. Auch heute noch. Und dennoch sitze ich wieder auf einen Schiff. Weil man sich seinen Ängsten stellen muss. Konfrontationstherapie. Darüber habe ich viel gelernt. Habe geübt, praktiziert, überwunden. Indem ich mich meiner Angst gestellt habe.

Also: Ich befinde mich auf einem Schiff. Unter mir das Wasser. Ich bin gespannt. Freue mich. Auf die Ängste, die ich auf dieser Reise überwinden werde.

Unser nächster Halt? Kopenhagen. Aber bis dahin, forscht in euch. Horcht hinein. Welche Ängste gibt es bei Euch zu überwinden?

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2 Gedanken zu “Unter mir das Meer

  1. LinnisLeben schreibt:

    Hallo Liebes,
    das hast du wirklich schön geschrieben. Oh man, du hast ja ein richtiges Wassertrauma. Mir ist zwar nicht sowas ähnliches passiert, aber ich schwimme auch nicht gerne weit ins Meer hinaus! Insgesamt liebe ich aber das Wasser und es beruhigt mich ungemein auf eine stürmische See hinauszublicken!

    Liebst Linni
    http://www.linnisleben.de

    Liken

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