Tatsächlich…Liebe

Es war in der 9. Klasse. In Ethik behandelten wir gerade das Thema „Liebe“. Kurz zuvor noch beschäftigten wir uns mit „Sterben“. Ich mochte Ethik schon immer, aber dieses Jahr ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Ich weiß noch, welche Angst ich hatte, mich mit dem Thema „Tod“ auseinanderzusetzen. Sterbehilfe, Mord, Freitod. Und danach Liebe. Was für ein Sprung. Oder auch nicht? Im Tode vereint? Lieben  und Sterben? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur noch, dass wir uns die Reihenfolge unserer Themen damals selbst heraussuchen durften. Also waren wir irgendwie selbst daran schuld.

Mit dem Thema „Tod“ setzten wir uns länger auseinander als mit „Liebe“. Schade eigentlich. Ich mag Liebe. Ich mag Romantik. Mir setzte die ganze Traurigkeit des Themas damals wirklich zu. Manchmal saß ich da und fühlte mich wie ohnmächtig. Ich war schon immer sensibel. Und manchmal….war das einfach zu viel. Nicht auszuhalten. Aber es war auch einprägsam. Das zeichnete und veränderte uns.

Unsere Lehrerin nahm nicht einfach nur den Stoff mit uns durch. Ihr ging es nicht um Noten. Sie wollte uns was fürs Leben lehren. Etwas mit auf den Weg geben. Sie wollte, dass wir denken. Und nicht, dass uns vorgedacht wird. Wir sollten wir selbst sein, Persönlichkeiten werden. Sie stutze uns nicht die Flügel, sie gab uns welche.

Ich weiß noch genau, wie sie damals lässig an ihren Tisch lehnte, uns anschaute. In der Hand baumelte eine DVD. Wir sahen „Tatsächlich…Liebe“ statt Bücher zu wälzen. „Weil man darin so viel über Liebe lernen kann.“

Jeder suchte sich eine der Geschichten heraus. Beobachtete. Analysierte. Begleitete die verschiedenen Beziehungen. Ich wählte Juliet, Peter und Mark. Die Liebe zwischen den Dreien hatte etwas tragisches. Aber auch etwas sehr liebevolles, niedliches. Sie war verletzlich. Ich mochte das. Juliet heiratet Peter. Doch dessen bester Freund Mark liebt die Braut. Ich verfiel der Musik, Marks Zuneigung, seiner aussichtslose Lage. Auf mein Blatt schrieb ich in dieser Stunde nicht viel. Ich war wie gebannt von der Geschichte. Und ich bin mir sicher: Das waren wir alle.

Niemand kann sich „Tatsächlich…Liebe“ entziehen. Der Zuschauer hat emotional gegen den Film keine Chance. Es ist aussichtslos. Man schmilzt dahin, wenn Colin Firth wie ein unsicherer Schuljunge in sich hineinlacht, wenn Liam Neeson nach dem Tod seiner Frau zusammenbricht und wenn Hugh Grant die Zuschauer mit seinem Silberblick anschaut.

„Wir sind überall von Liebe umgeben. Oft ist sie nicht besonders glanzvoll oder spektakulär. Aber sie ist immer da. Väter und Söhne, Mütter und Töchter, frisch Verliebte.“

Seit dieser Ethikstunde habe ich einen Lieblingsfilm. Lieblingscharaktere. Lieblingslieder. Und ich weiß mehr über das, was uns alle umgibt: Die Liebe.

Liebe kann Freundschaft, aber auch einfach nur eine Geste sein. Wenn ich jemanden vom Flughafen abhole, weil ich ihn so vermisst habe, dann ist das Liebe. Liebe ist echt, Liebe ist vollkommen, Liebe ist alles.

Ein paar Schulstunden später unterbrach ein Klopfen den Unterricht. Unsere Lehrerin öffnete die Tür…und strahlte. Ihr Mann stand da, brachte ihr etwas, dass sie vergessen hatte. Mit langsamen Schritt kam sie zurück in die Klasse, blieb stehen und lächelte uns stumm an. Und da sahen wir: Ja, liebe ist überall.  

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Oberteil, Cardigan – H&M

Shorts – Olymp&Hades

Schuhe – Deichmann

Uhr – Astron

Ring -Fiorelli

Ohrringe – C&A

Nagellack – Sally Hansen

Fotos: Tom Herold ( click here )

7 Gedanken zu “Tatsächlich…Liebe

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