Kolumne: Gedanken über…Die weiße Weste

 

Es war am Freitag. Ich trug genau dieses Outfit. Vor der Uni hatte ich noch einen Termin. Ich stieg aus dem Auto aus, die Sonne schien. Ich setzte meine rosa Sonnenbrille auf. Ein Blick auf die Uhr, schnell noch am Kaffee genippt. Ich war zu früh dran. Hatte noch Zeit. Ich gönnte mir die zehn Minuten und setzte mich auf eine Bank, die Nase gen Sonne gestreckt. Ich wackelte mit meinen Füßen und freute mich über die neuen Schuhe. Pink mit Schleife. Genau meins. Ich mag rosa. Ich mag Schickschnack. Ich mag auch eine kleine Prise Kitsch.

Ein paar Minuten später begrüßte mich freundlich ein Mann. Und machte kurz darauf einen Scherz über mein Outfit. Das stört mich nicht. Sowas überhöre ich mittlerweile. Doch trotzdem fragte ich mich: Was ist falsch daran? Ich trage doch kein Kleid, keine High Heels. Ich trage Hosen und ein T-Shirt. Zwar in rosa, aber trotzdem leger. Nicht over the top.

Ein paar Stunden später sitze ich mit einer Freundin beim Mittagessen. Wir sprechen über Gott und die Welt. Auch über einen Jungen, der sich abfällig über ein paar Mädchen geäußert hat. ‚Er hat noch nie ein Wort mit mir gewechselt‘, schießt es mir durch den Kopf. ‚Naja, sagen wir es so: Du ziehst dich einfach schick an. Zu schick für seinen Geschmack‘ , meint meine Freundin. 

Kurz bin ich etwas verdutzt. Verständnislos, fühle mich unverstanden. Natürlich, es ist die Meinung einer einzigen Person, schnell und unbedacht dahingesagt. Ich könnte kurz mit dem Kopf schütteln und die Sache vergessen. Aber irgendwas bleibt da hängen. Irgendwie ärgert mich das Ganze. Ich kann stark sein, taff, ich habe mein Leben in den Händen. Ich bin nicht oberflächlich, nur weil ich mich gern schön mache. Dabei schminke ich mich kaum. Ich tobe mich nur in meiner Kleidung aus.

Niemand hat eine weiße Weste, auch ich nicht. Wir alle sagten schon unüberlegt Dinge, die wir später bereuten. Doch ich spreche in letzter Zeit sehr bewusst. Ich möchte nicht zu den Leuten gehören, die ich schon immer verachtete. Die Dinge hinten herum erzählen, statt ehrlich und offen zu sein. Die lästern, ohne einen Grund nennen zu können. Die Intrigen spinnen, um diese dann wie einen Kinofilm zu verfolgen. Ich wähle meine Worte bewusst, meine Handlungen auch. Natürlich passieren mir hin und wieder Fehler, aber ich verbessere mich. ich möchte, dass ich andere so behandle, wie ich möchte, dass mit mir umgegangen wird.

Und ich verstehe es auch nicht, wie dieser Junge so gedankenlos handeln konnte. Ich bin mir sicher, dass seine Worte kein großes Gewicht hatten. Er sprach hunderte Mädchen an, aber ich war nun mal eine davon. Und was habe ich falsch gemacht? Ich stimme mein Outfit jeden Morgen auf einander ab. Das war’s.

Ich gehe arbeiten, spare mein Geld, lerne viel für die Uni. Ich bin nicht nur Püppchen, ich bin auch stark. Und das sollten andere bedenken.

Niemand hat eine weiße Weste. Meine ist pink. Aber wir sollten nicht nur auf die Farbe schauen. Wir sollten den Menschen eine Chance geben. Sie aussprechen lassen.

Denn die, die andere aufgrund ihres Aussehens verurteilen, haben gewiss keine weiße Weste. Grau. Vielleicht sogar schwarz. Aber es ist nie zu spät, sich zu verbessern. Und ich bin mir sicher: Die Angefeindeten werden vergessen und verzeihen. Denn keine Weste ist weiß. Welche Farbe hat eure?

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Oberteil – H&M

Hose – Calzedonia

Tasche – Desigual

Ohrringe – C&A

Uhr – Astron

Fotos: Tom Herold ( click here )

4 Gedanken zu “Kolumne: Gedanken über…Die weiße Weste

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