Kolumne: Schatten

Wann steht man auf der Sonnenseite des Lebens? Wie bekommt man dieses gewinnende Lächeln? Wann fangen Menschen an, einen zu beneiden?

Wenn ich mein Leben so betrachte, so objektiv wie es nur geht, dann sollte ich eigentlich mehr als zufrieden sein: Ich habe eine großartige Familie, einen Freund, den ich liebe und der meine Leidenschaften teilt, ich hab wirklich tolle Freunde, mein Studium macht mir Spaß, mein Nebenjob noch mehr. Ich reise, pflege meine Hobbys. Bin gesund. Und trotzdem werde ich hin und wieder unzufrieden. Doch wieso?

Die Beste sein. Am liebsten in allem. Die Schönste noch dazu. Das ist schwierig. Unmöglich. Denn heute bedeutet „der Beste“ überhaupt nichts mehr. Superlative kann man im heutigen Zeitalter steigern. Einfach so.

Doch wofür strenge ich mich dann an? Wofür lerne ich so viel? Wofür gehe ich arbeiten, stehe vor dem Spiegel? Wofür? Um am Ende doch nur die gute Mitte zu sein?

Man erzählt von seiner 1,3 in der Klausur. Der Nachbar strahlt einen an und prahlt mit seiner 1,0. Aus einer sehr guten Leistung wird ein „Genügend“. Für mich. In meinem Kopf.

Und dann zähle ich mir die Sachen auf, die mein Leben so besonders lebenswert machen. Die Gold wert sind. Und trotzdem gerate ich bald wieder ins Straucheln.

Das Vergleichen mit Anderen.

Wann hört das mal auf?

Ich bin im Reinen mit mir. Mit meinen Leistungen, mit meinem Aussehen, mit meinem Selbst. Aber ab und zu gerate ich eben doch auf Glatteis. Immer dann, wenn ich mich unterlegen fühle. Aber was ist, wenn das Erzählte der Anderen gar nicht so schillernd wie die Wirklichkeit ist? Wenn sie ausschmücken, weglassen und optimieren? Was dann?

Dann mache ich mir umsonst das Leben schwer. Ich stehe im Schatten. Und dieser Schatten sind meine eigenen Zweifel.

Wann steht man auf der Sonnenseite des Lebens?

Ich weiß es und irgendwie weiß ich es doch nicht. Ich weiß was die Sonnenseite ausmacht, aber noch komme ich nicht hin. Vielleicht muss ich entspannter werden, älter, reifer. Dann werde ich zufrieden sein. Dann vergleiche ich mich nicht mehr. Dann höre ich vielleicht auf, immer besser werden zu wollen.

Vielleicht.

Vielleicht aber auch nicht.

Denn kann man seine Natur brechen? 

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Pullover – missguided

Jeans – Orsay

Schuhe – Deichmann

Tasche – C&A

Fotos: Tom Herold ( click here )

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