Kolumne: Vom Dünnsein

Ich war einmal recht dünn. Spitze Hüftknochen, die Rippen ragten hervor. Die Hosen schlabberten. 44 Kilo bei 1,70 m. Schmal. Dünn? Ungesund? Vielleicht. Aber definitiv gewollt.

Es gab einmal Zeiten, da sprachen mich die Lehrer besorgt und verstohlen in der Pause an. ‚Isabel, geht es dir nicht gut? Brauchst du Hilfe?‘ Scham. Peinlich war mir das. Ich wollte nicht auf meine Figur angesprochen werden. Ich wollte nicht über meinen Körper reden. Und ich wollte schon gar nicht in den Spiegel schauen. Ich wusste, da gibt es ein Problem. Doch in der Pause warf ich trotzdem wieder meine Pausenbrote weg.

Mit 13 wurde ich angesprochen, ob ich modeln möchte. Mit 14 wieder. Und ganz ehrlich? Es war für mich, als Teenager, die Erfüllung aller Träume. Ich fühlte mich erwählt, voller Stolz. Und ich wollte dazu gehören, zu den eleganten Gazellen. Ich wollte mithalten, wollte den Erwartungen, die man an mich hatte genügen. Ich wollte schön sein. Um jeden Preis. Leider.

Es war schön abzunehmen. Es war schön, schön zu sein! Bestätigung, natürlich. Aber ich? Ich fand mich nicht schön. Auch nicht, als ich Größe 32 trug.

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Die Bilder, die ihr seht, stammen schon aus besseren Zeiten. In den schlechten habe ich mich nicht fotografieren lassen. Als ich begann zuzunehmen. Ich möchte nicht von Magersucht sprechen. Ich war in keiner Klinik, ich fand da selbst heraus. Aber es ist auch nicht normal, sich zweimal am Tag zu wiegen, Salzwasser zu trinken, damit der Hunger nicht kommt. Tagebuch über die Kalorien zu führen.

Ich denke, ich war nicht magersüchtig. Ich war nur süchtig nach Schönheit. Oder wie meine Mama es sagte: ‚Du bist ja ein Sklave deines Äußeren.‘

Eine Freundin, Jenny sagte einmal: ‚ Isabel, wie weit ist es eigentlich gekommen, dass du dein Glück von deinem Aussehen abhängig machst?‘ Sie hatte recht. Und ich war dumm. Bin es vielleicht ab und zu immer noch. Aber heute bin ich zufrieden. Oder besser: Zufriedener. Ich mag mich. Ich mag meinen Körper.

Ihr seht den Vergleich. 47 und 57 Kilo. Man kann entscheiden was attraktiver ist. Ich kann endlich sagen: Heute. Heute bin ich schöner.

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