In einer anderen Welt

‚Die lebt doch in einer anderen Welt‘, flüstern sie, als das Mädchen die Straße überquert. ‚Sie denkt, sie sei etwas besseres. Träumer. Weltfremd.“ Das Mädchen hört sie nicht und geht weiter ihren Weg. Mit den Kopf in den Wolken, mit den Füßen nicht ganz auf dem Boden. Aber was soll’s? Lasst sie doch. Lasst sie in ihrer eigenen Welt. Zerstört ihre Seifenblase nicht.

Ich schlage die weißen Seiten auf, schreibe, halte fest, konserviere und phantasiere. Von einer Zeit danach. Einer Zeit nach dem Studium. Eines Tages muss ich nicht mehr jeden Tag lernen, Seminararbeiten schreiben. Eines Tages, da kann ich reisen, mir meine Zeit vielleicht selbst einteilen. Bekannt werden? Vielleicht mit meinem Buch? Meinen Worten?

‚Was bildet die sich denn ein‘, tuscheln sie hinter vorgehaltener Hand, ‚sie postet viel zu viele Bilder von sich. Geht auf Shootings und denkt, sie wird was Großes. Ist das nicht selbstverliebt?‘ Das Mädchen lauscht ihnen nicht. Sie steckt ihren Kopf in ihr Notizbuch, schreibt ihre Gedanken nieder, fängt die Ideen ein. Glücklich macht sie das. Ihre Kreativität. Ihr Eigentum.

Ich spüre das Kribbeln. Erst in den Fingerspitzen, dann in der ganzen Hand. Es breitet sich aus, bis es meinen ganzen Körper einnimmt. Ich will hier raus, will hier weg. Kann nicht 365 Tage am selben Ort bleiben. Ich muss meine Flügel ausbreiten, auch, wenn es nur gelegentlich ist.

„Sieh sie dir an“,  raunen sie sich im Vorlesungssaal zu, ’sie ist so selten auf Partys zusehen. So ein Streber, die Nase immer in den Büchern.‘ Dass das Mädchen jedoch arbeiten geht, sehen sie nicht. Es interessiert sie nicht, was da für Träume in ihren Kopf stürmen. Sie will etwas erleben, etwas erreichen. Will nicht vergessen werden. Sie hat Ziele, die sind hoch, für die anderen vielleicht unrealistisch, aber sie hält fest. An ihren Idealen.

Wer sagt uns, was zu schaffen ist und was nicht? Wer steckt die Grenzen fest? Wir bauen uns unsere Welt, wie sie uns gefällt. Egal, ob böse Stimmen uns verunsichern wollen, sich keine Mühe geben, einmal hinter die Fassaden zu schauen. Ich lebe und somit träume ich. Von meiner Welt. Von einem selbstbestimmten, erfüllten Leben.

‚Sie ist doch so komisch, nicht von dieser Welt. Wie kindisch, naiv‘, lachen sie. Und verstecken hinter ihren schallenden Gelächter, ihren Neid. 

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Jacke – Primark

Oberteil – Mint&Berry

Jeans – Levis

Tasche – C&A

Ohrringe, Brosche – Bijou Brigitte

Schuhe – Deichmann

Fotos: Tom Herold (click here)

2 Gedanken zu “In einer anderen Welt

  1. innamoratojuventas schreibt:

    Und glaubst du nicht am Ende des Tages hast du mehr erreicht als die „Normalen“?
    Wenn sie früh verkatert in ihren Betten liegen und nicht mal die Motivation haben in die Uni zu gehen während du studierst, arbeitest und kreativ tätig bist? Bleib dir selbst treu! Wenn du bekannt werden willst solltest du niemals ein konstruiertes Selbst darstellen.. das wird auf Dauer anstrengend! Und glaub mir es gibt auch Leute in der Uni, die hinter vorgehaltener Hand erzählen, wie erstaunlich sie dich finden 🙂

    Gefällt 2 Personen

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