Das Letzte

Am Ende des Jahres stehen alle zusammen. Egal ob einst zerstritten, aus den Augen verloren, sich liebend, verwandt oder wildfremd. Wir stehen im Kreis, schauen in den Himmel, bestaunen das bunte Feuerwerk. Wir sind vereint, am Ende des Jahres. Und irgendwie fühlt sich das gut an. Vielleicht auch falsch. Ich weiß es noch nicht. Wir werden es sehen.

Und heute? Heute schreibe ich eine Ode an 2016. Jetzt. Gerade eben. Ich ließ vieles und viele hinter mir, entdeckte neue Länder, neue Leute, neue Stärken und neue Schwächen. Ich reiste, war endlich mutig, im nächsten Moment aber auch wieder völlig schwach. Ich habe geliebt, ich habe gelebt und: Ich habe nicht gehasst. Ist das nicht wertvoll? Deshalb liebe ich dich. 2016

Ein letztes Mal spazieren wir durch dieses Jahr. Wir reden über Geschehenes, über Höhen und Tiefen und über die Zukunft. Wir sind jung und die Erde dreht sich für uns rasend schnell. Zwischen zwei Jahren liegen Welten. Wir streiften das alte Ich ab und ließen es zwischen neuen Arbeiten, Prüfungen und bedeutenden Nächten einfach liegen. Ohne hinterher zublicken. Ohne sich umzudrehen.

2016. Ich habe geliebt, ich habe gelebt und: Ich habe nicht gehasst.

2016. Das war eine Ode an dich.

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Mantel – Orsay

Weste – Primark

Oberteil – Mango

Jeans – Primark

Rucksack – Fritzi aus Preußen

Schuhe – Nike

Ohrringe – Collosseum

Schal – Matrixx

Fotos: Tom Herold (click here)

Die Wiederentdeckung der Gemütlichkeit

Der 27. Dezember. Ein Tag nach Weihnachten. Wir fahren nach Dresden. Alles ganz entspannt. Etwas Shoppen, Kaffeetrinken, Flanieren und Ausklingen lassen. Doch dann: Da ist etwas, ganz hinten in meinem Kopf. Es lauert und es lässt mich nicht mehr los. Da gibt es was zu erledigen. Etwas wichtiges. Kein Aufschub. Sofort! Ich will nach Hause. Kann plötzlich das ganze Shoppen, Kaffeetrinken, Flanieren und Ausklingen lassen nicht mehr genießen. Unentspannt.

In einen Monat sind Prüfungen. Und ich habe Angst. Oder kann man es Angst nennen? Eher Druck. Ein Gefühl, dass sich mir immer wieder auf die Brust legt. Dabei wollte ich doch gerade entspannen. Wollte mich hinlegen, die Pause zwischen Weihnachten und Neujahr genießen. Doch dieses Gefühl hält mich davon ab. Es fesselt mich.
Es kommt nachts, es kommt früh, es kommt abends. Und dazwischen auch. Dieses Gefühl etwas zu versäumen, nicht fertig zu werden, zu versagen. Dabei wollte ich ruhiger werden. Wollte im neuen Jahr mehr entspannen, mehr auf mich und meinen Körper achten. Pausen. Die brauche ich. Doch was nützen mir diese, wenn ich sie mit Kopfschmerzen hinter mich bringe? Die Zeit rennt. Ich höre das Ticken der Uhr. Graue Männer säumen meinen Weg und erinnern mich an meine Arbeit. Jede Stunde, jede Minute sollte genutzt werden. Und irgendwann werde ich selber einer von ihnen: Die grauen Männer.
Aber insgeheim weiß ich, es wird alles gut. Oder hoffe ich es nur? Augen zu und durch. Nur ein Monat. Und danach? Die Wiederentdeckung der Gemütlichkeit. Ruhe. Ich gönne mir Stillstand. Ein Geschenk. An mich. Vielleicht kehrt dann die Farbe wieder in mein Gesicht zurück. Rosige Wangen, grüne Augen. Alles Grau fällt von mir ab. Denn ich gehöre nicht mehr zu ihnen, den grauen Männern, ich bin wieder ich. Zumindest vorübergehend. Bis die nächste Prüfungsphase ansteht und sie wieder an meine Tür klopfen. Die grauen Männer. 

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Kette – Swarovski

Ohrringe + Ring – Only

Pullover – H&M

Hose – Jeans Fritz

Schuhe – Deichmann

Fotos: Tom Herold (click here)

So wie es ist.

Morgens um sechs. Langsam öffnen sich meine Augen, sehen zuerst die Lichter des Schwippbogens. Duft von Pfefferkuchen, Plätzchen und Punsch zieht mir in die Nase. Ich werfe meine Beine aus dem Bett, ziehe mir meinen Morgenmantel eng um die Schultern, stolpere ins Bad, vorbei an den versteckten Geschenken. Jedes Jahr werden es mehr. Ich will mich selbst übertreffen.

Mit frisch gemachten Haaren stolpere ich die Treppen hinab. Für heute Abend habe ich meinen Lieblingsduft herausgelegt. Lancome – Midnight Rose.Der Duft mit dem ich ihn kennenlernte.

Als 15- jährige wünschte ich mir eine Perlenkette. Wollte Coco Chanel sein und träumte mich nach Paris. Mit 18 kleidete ich mich wie Monica Bellucci – schön und schöner wollte ich sein. Und heute? Heute träume ich nicht mehr von einer Wohnung auf der Champs-Élysées. Ich will nicht mehr in London studieren und ich glaube nicht mehr daran, berühmt zu werden. Berühmt mit meinen Texten. Heute ist vielleicht ein Teil des Zaubers weggebrochen. Ich träume nicht mehr so hoch, aber noch mindestens genauso intensiv!

Vielleicht bin ich nicht mehr so naiv. Bin dem Boden näher als früher. Realist! Statt Träumer?

Ich habe mich verändert. Ich fliege in meinen Träumen nicht mehr in mörderische Höhen. Meine Träume können mir nicht mehr das Genick brechen. Journalistin, eine eigene Kolumne, ein Buch?

Und doch bleibt einiges gleich: Wir schauen Märchen, machen uns schick, putzen uns selbst zu Prinzessinnen heraus. Wir überreichen uns aufgeregt gegenseitig die Geschenke. Immer abwechselnd. Und danach essen. Jedes Jahr etwas anderes. Auch das kann Tradition sein!

Und das allerwichtigste: Wir sind zusammen. Reden über vergangene Zeiten, lachen und sind ein bisschen wehmütig. Früher war alles besser? Warum? Ich finde das hier sehr gut. So wie es ist. Beständigkeit. Wir haben ‚die alten Zeiten‘ in unsere vier Wände projiziert. Und sind glücklich. Zusammen.

Als ich zu Bett steige, sind das letzte was meine Augen erblicken die Lichter des Schwippbogens. Der Geruch von Pfefferkuchen, Plätzchen und Punsch zieht mir in die Nase.Und:Der Duft dieses einen Parfums.Der Duft mit dem ich ihn kennen lernte.

 

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Kolumne: „Mein Kopf und ich“: Das Weihnachtskind

Der 24. Dezember. Ich lag noch in meinen weichen Federbetten. Aus der Küche zog ein wohliger Geruch bis zu mir, in mein Zimmer hoch. Ich drehte mich noch einmal um, wollte jede Minute dieses Tages voll und ganz genießen. Denn: Das hier ist etwas Besonders. Selten. Nur einmal im Jahr. Und das will ich festhalten, hole die Marmeladengläser hervor. Einfangen, verschließen, wegpacken. Schöne Gefühle konservieren – für später. Für schlechtere Zeiten.

Der 24. Dezember. Der Himmel bestand aus Blei. War grau, silbrig. Ein ungemütlicher Tag. Vor mir zog sich die örtliche Einkaufsstraße müde und leer hin. Nur wenige sind auf den Straßen unterwegs. Wir haben noch zwei Stunden, meine Schwester und ich. Denn dann kommen meine Eltern von der Arbeit und die Geschenke müssen endlich fertig sein. Einkaufsnot. Und das am Heiligen Abend. Aber: Auch das war schön. Irgendwie. Lustig, stressig, einmalig. ‚Das wird uns nicht nochmal passieren‘, schworen wir uns. Und wir hielten unser Versprechen.

Der 24. Dezember. Ich saß mit meinen Eltern vor dem bunt beschmückten Baum. Vor uns das IPad. Erst zaghaft, dann immer freudiger nahmen wir ein Video auf. Ein Gruß in die Ferne. Denn meine Schwester, einer meiner Lieblingsmenschen, der fehlte heute. War nicht da. Irgendwo in der weiten Welt. Oder doch gerade auf dem Meer? So genau wussten wir das nicht. Dieses Weihnachten war ganz anders. Weniger ausgelassen, weniger laut und weniger besinnlich. Ruhig. Leise Festtage. Doch: Auch magisch. Irgendwie. Denn wir rückten näher. Waren uns ähnlicher denn je. Waren vereint in der Sehnsucht.

Der 22. Dezember. Die Geschenke sind dieses mal schon lange fertig. Sogar verpackt! Ich liege nicht mehr in den Federn und meine Schwester ist wieder da. Seit Jahren aß ich wieder gebrannte Mandeln. Spazierte von einen zum anderen Weihnachtsmarkt. Ich bin voller Vorfreude. Bin ein Weihnachtskind. Voll und ganz. Und ich bin gespannt: Wie es dieses mal wird. Was den 24. 2016 von all den anderen unterscheiden wird. Aber eins weiß ich: Es wird schön. Es wird besonders. Es wird magisch. Weil das Weihnachten ausmacht. Weil ich weiß, dass es gut wird. Denn ich bin ein Weihnachtskind. Und werde es auch bleiben.

Aber da bleibt auch die Wehmut, die sich zwischen mich und die Vorfreude drängt. Denn ich will nicht loslassen. Kein Weihnachtskind möchte das. Ich will hinauszögern, festhalten, noch lange über Märkte schlendern, Punsch trinken und mir dabei die Zunge verbrennen. Ungeduld. Denn ich bin ein Weihnachtskind. Und das ist meine Zeit.

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Mantel – Orsay

Schal + Mütze – selber gestrickt

Fotos: Tom Herold (click here)

Silvesterlook I

Silvester. Das bedeutet für mich immer hohe Erwartungen, die in den meisten Fällen, doch nie erreicht werden können. Enttäuschung. Wieder zu viel vorgenommen. War’s das jetzt? Der Höhepunkt des Jahres?

Silvester ist schwierig. Wie soll man richtig in Fahrt kommen, wenn man doch in Gedanken noch um das letzte Jahr trauert? Nicht loslassen will? Da ist die Angst vor den Hürden des nächsten Jahres. Ein neuer Abschnitt. Viele neue Seiten, die beschrieben werden wollen. Der Umgang mit den Veränderungen, auf die wir uns nie vorbereiten können, auch wenn wir es immer wieder versuchen. Überrollen. Eine Lawine. Machtlosigkeit.

Dann stehen wir wieder draußen in der Kälte. Um uns herum Dunkelheit, viele Menschen, Stimmengewirr und Faszination. Feuerwerk, dass in unseren Augen glitzert. Ein Mitternachtskuss. Und dann? Plötzlich alles vorbei. In so kurzer Zeit. Wir bleiben stehen, umarmen uns und wissen doch nicht so recht, wohin mit unseren Gefühlen. Denn da sind  Ängste, hohe Erwartungen. Freude? Hoffnung?

So sehr ich es liebe, mich zu Silvester in etwas funkelndes und total übertriebenes zu werfen, so sehr fühle ich mich auch unter Druck gesetzt. Jeder will am 31. auf der besten Party tanzen, mit den coolsten Leuten zusammen sein. Doch wie verabschiedet man das alte Jahr gebührend? Wie begrüßen wir 2017? Wir erwarten von uns selbst eine Bomben-Laune, das aufregendste  Outfit und nicht zuletzt:  Den ausgefallensten Ort zum Feiern zu finden. Erwartungen und Träume, die sich nur schlecht in die Realität umsetzten lassen. Das Ergebnis: Enttäuschung. Nicht etwa, weil unser Silvester nicht schön , sondern unsere Fantasie mal wieder größer war.

Der 1. Januar. Ein merkwürdiger Tag. Nach der Explosion zu Silvester werden wir auf einmal allein gelassen. Ruhe. Stille. Gestern noch tausend Farben und laute Musik. Heute Alltag. Happy New Years Eve.

Deshalb ist mein Vorsatz für das neue Jahr: Glücklich und zufrieden in 2017 zu starten. Nicht immer zu hohe Erwartungen haben, auch mal entspannen können. Nicht so viel Wert auf den perfekten Start zu legen. Hauptsache die wichtigsten Menschen sind bei mir, ich fühle mich wohl in meiner Haut und das Essen ist gut.

Bescheiden? Einfach? Ja vielleicht ist es das: Das Simple. Das Kleine, was uns glücklich macht.

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Oberteil – Guess

Hose – Esprit

Gürtel – GDM

Armreif – Michael Kors

Ohrringe – ? (aus Hamburg)

Fotograf: Linda Wächtler (Fotostudio Hahn)

Sehnsucht

Ich mag meine Heimat, versteht mich nicht falsch. Ich mag es, im Dunkeln nachhause zu fahren, der geschmückte Baum auf unserem Marktplatz strahlt, die scharfe Rechtskurve, die mich nicht mehr aus der Fassung bringt, das ewige Suchen nach einen Parkplatz, der winzige Weihnachtsmarkt, auf dem sich die ganze, kleine Stadt trifft. Aber dann, während ich mich eigentlich gerade so wohl fühle, ergreift es mich: Die Sehnsucht. Ausgelöst durch einen Duft, den ich in Rom trug, durch ein Lied, dass ich auf dem Schiff hörte oder durch Fotos aus Barcelona.

Ich will weg. Es ist die Sehnsucht die mich packt. Die mich würgt, mich rüttelt, mich aber auch irgendwie sanft umarmt. Wärme. Sie zieht mich weg und plötzlich bin ich in meinen Gedanken nicht mehr in der Uni, auf der Arbeit oder in unserer Siedlung, sondern auf der Champs-Elysees, auf den Placa de Reial oder am Tiber. Dann trage ich kurze Kleider, bunte Farben, gewagte Kombinationen. Alles was ich mich hier nie trauen würde. Dann bin ich nicht mehr die Isabel aus der Kleinstadt. Dann bin ich mondän. Weltgewandt.

Ich will weg. Manchmal. Denn ich kann nicht immer nur eine Person sein. Ich habe viele Facetten. Ich will Kolumnistin, Fashionista, Autorin, Genießerin sein. Und das zur selben Zeit! Überschwung, Positivität, Selbstüberschätzung? Vielleicht. Aber mir reicht eben kein halbes Glas mehr. Ich will alles, will mich tränken von der Welt. Von ihren Farben, ihren Gerüchen, ihren Gesichtern.

Ich will weg. Wenn ich die alten Tagebücher vor mir liegen habe. Waffeln in Brügge, Shoppen in Palma de Mallorca, verliebt sein in Paris. Erinnerungen, die sich wie Schleier vor meine Augen legen.
Ich will weg. Um am Ende doch wieder hier sein zu wollen. Denn hierher, in die Heimat, meine kleine grau-bunte Stadt, kann ich zurückkehren. Jederzeit.

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Jacke – Adidas

Body & Ohrringe – Colosseum

Hose – Rose Player

Schuhe – TK Maxx

Fotos: Tom Herold (click here)

Spinner

Meine alten Tagebücher liegen ausgebreitet und offen vor mir, ich versinke mal in 2012, dann verschwinde ich wieder in 2014. Ich sehe mich klar und deutlich vor mir: Erst mit zwei geflochtenen Zöpfen, dann das Mädchen, dass sein wollte wie Coco Chanel, später mit Haaren bis zur Taille, um sie sich ein halbes Jahr später unter Druck abzuschneiden.

Im Hintergrund Revolverheld. Wie damals.

Ich wollte schreiben, vergrub mich mit 13 in den „Buddenbrooks“, mit 15 litt ich mit „Anna Karenina“. Ich nahm an Literaturwettbewerben teil, schrieb und schrieb und schrieb. War ich anders?

Sie spielt tausend kleine Rollen und will nach Hollywood. Hat das alles hier so satt.

Ich saß auf meinem Sofa, vor mir Modemagazine. Ich wollte Chanel, Dior, Valentino, Chloe und Jacobs. Auf meinem Mund ein Lippenstift, der mich zwei Monate Taschengeld kostete. Ich war kurz in einer anderen Welt. Ich wollte weg, wollte weite Welt und Reichtum. War ich anders?

Er ist eigentlich Elvis Presley nur wiedergeboren. Die Leute werden schon sehn.

Praktikum. In den Sommerferien. Meine Mitschüler genossen das schöne Wetter. Ich jedoch fuhr jeden Tag eine Stunde mit dem Bus um meinen Träumen etwas näher zu kommen. Von den Anderen: Kein Verständnis, dumme Sprüche, ein „Was soll das denn?“. War ich anders?

Das geht raus an alle Spinner, denn wir sind die Gewinner.

War ich anders? Bin ich anders? Möchte ich anders sein?

Früher machten mich diese Fragen fertig. Anpassung fehlgeschlagen. Aber heute weiß ich: So will ich sein. So bin ich. Ich mag mich. Denn Spinner…das sind die wahren Gewinner.

(Text inspiriert von „Spinner“, Revolverheld)

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Leggings – Calzedonia

Oberteil – Mango

Schuhe – Deichmann

Mantel – Orsay

Mütze – aus Prag

Ohrringe – aus Krakau

Teddy trägt:

Pinkaholic

Fotos: Tom Herold (click here)