Kolumne „Mein Kopf und ich“: Der Kreis

Meine Texte. Das bin ich. Mein Innerstes. Meine Gedanken, die ich am Ende des Tages einzufangen versuche.

Meine Texte. Das bin ich. Wenn Menschenmassen um mich herum sind, doch dennoch niemand da ist, mit dem ich diese Dinge teilen kann. Wenn die wichtigen Menschen nicht um mich herum sind.

Meine Texte. Das bin ich, wenn ich kurz inne halte und die Worte um mich herum einen Wirbelsturm bilden. Bis ich sie mit einen Kerscher einfange, sie ausschüttel und vor mir auf den Boden lege.

Meine Texte. Das bin ich. Doch hab ich mich aufgehört zu drehen? Sind tausende von Worten verloren gegangen? Früher nie still, nie einzuordnen, wild durcheinander. Und jetzt? Bin ich stehen geblieben?

In meinen Kopf tragen sich nach wie vor Stürme aus. Es ist chaotisch, selten kommt etwas zur Ruh. Selbst im Schlaf geht es weiter. Doch wo vor einiger Zeit noch tausende verschiedene Geschichten und Themen wirbelten, geht es jetzt immer nur um das Gleiche.

Ich denke an das Lernen, an Hausarbeiten, an die Uni, an Arbeit, an den Ehrgeiz den ich haben muss. Und dann plötzlich sehe ich aus dem Fenster. Meine Finger schwebten gerade noch über die Tastatur, neben mir eine Tasse dampfender Tee. Doch ich halte inne und sehe kahle Bäume, nasse Gehwege, warm eingepackte Menschen und bemerke: Ich habe etwas verpasst.

Ewig schon freue ich mich auf den goldenen Herbst, schreibe über ihn, rede über ihn, aber: Ich erlebte ihn nicht. Zumindest koste ich ihn nicht aus.

Weil meine Gedanken eben stehen geblieben sind. Früher tausende Puzzelteile, die magischer weise ein wunderschönes, buntes Mosaik ergaben.

Heute die Pflicht. Die Pflicht, die ich viel zu ernst nehme.

Die Leichtigkeit muss ich noch lernen. Ich muss sie versuchen zu lieben.

Aber eins nehme ich mir fest vor: Den Winter will ich nicht verpassen. Die bunten Blätter bemerkte ich erst, als sie vor mir auf dem Boden lagen. Doch der erste Schnee…den will ich verinnerlichen, genießen und abspeichern. Erinnerungen enstehen lassen.

Denn ich will mich wieder im Kreis drehen. Wie ein Wirbelsturm.

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Jumpsuit + Ohrringe: H&M

Fotograf: Günter Brauer

2 Gedanken zu “Kolumne „Mein Kopf und ich“: Der Kreis

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