Kolumne“Mein Kopf und ich“: Hometownstory

Kennt ihr diese Leute? Die bei jedem Treffen, jedem kurzen Small Talk erzählen sie uns breit und lang, wo es sie überall hin verzieht? Ich meine dabei nicht den nächsten Urlaub. Sie ziehen rigoros über die eigene Heimat her, lassen kein einziges gutes Haar an ihr und akzeptieren keine anderen Ansichten. Nervend finde ich das. Traurig. Aber: Auch wenn ich eine eigene Meinung vertrete, sie lassen meine Standhaftigkeit und Überzeugung kurz wackeln. Plötzlich fühle ich mich langweilig, feige, bieder.

Ich liebe Reisen. Kaum bin ich aus Barcelona zurück, plane ich in meinem Kopf schon die nächste Reise. Wien würde mich reizen. Aber auch London. Schon zweimal dort aber noch nie Notting Hill gesehen! Das geht nicht. Auch ein Kurztrip nach New York im Schnee steht auch oben auf der Liste.

Ich habe Reiselust. Entdecke gern Neues. Reisen bildet. Aber: Ich freue mich auch wieder auf mein Zuhause. Das ist Gemütlichkeit, beständig. Ich bin einfach noch nicht bereit um in die große weite Welt zuziehen. Für’s Erste bleibe ich hier.

Meine Heimatstadt ist wahrlich nicht die Schönste. Aber sie ist voll von Erinnerungen. Mein alter Schulweg, die Abkürzung über die stillgelegten Bahngleiße, unser altes Versteck. Ich bin gerne hier. Zumindest jetzt.

Ich wohne in meinen Geburtsort, arbeite und studiere in der nächstgelegenen Großstadt. Habe also tagsüber Trubel, Straßenlärm, Mode und Stimmenwirrwarr. Doch dann gibt es dieses kleine Plätzchen, dort kann ich mich ganz und gar zurückziehen. Das Haus in dem ich aufgewachsen bin. Das ist Heimat. Das ist für mich Zuhause.

Ob ich hier immer wohnen bleibe? Ich denke nicht. Fast kann ich sagen, dass ich es nicht will. Aber wer weiß? Was wird die Zukunft bringen? Vielleicht ziehe ich nur ein paar Kilometer weiter, vielleicht auch wo ganz anders hin. Doch jetzt bin ich hier. Und ich möchte mich nicht von anderen Leuten drängen lassen, jetzt schon meine Flügel auszubreiten. Ich brauche Zeit. In dieser Phase meines Lebens, wo sich alles so schnell verändert, will ich einfach auch mal Ruhe und Sicherheit. Ich will mich nicht durch andere unter Druck gesetzt fühlen. „Was du wohnst noch zuhause?“ Ja. Das tu ich. Und momentan gefällt es mir hier sehr gut. Ich brauche einfach jetzt noch kein Berlin, Düsseldorf oder Hamburg. Ich brauche erstmal das alles hier. Heimat

1921

22

Jumpsuit – TK MAXX

Tasche – Colloseum

Schuhe – Adidas

Fotos: Tom Herold, in Barcelona

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